Es lebe die Vorschrift – Literarischer Wochenendgruß vom 27.01.17

Es lebe die Vorschrift – Literarischer Wochenendgruß vom 27.01.17

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

haben Sie einmal versucht ein vorschriftsgemäßes belegtes Brötchen zu bekommen? Ein Brötchen, das alle Vorschriften, die es so gibt, erfüllt?

Eine liebe Freundin berichtete mir von einem Erlebnis in einem Bio-Laden in den vergangenen Tagen. An einem Backwarenstand wollte sie sich ein Brötchen belegen lassen. Neben diesem Stand befand sich eine Käsetheke. Daher lag es nahe, dass es kein Problem sei, ihren Wunsch unkompliziert zu erfüllen. Denkste! Sehr höflich erklärte ihr der Verkäufer am Backwarenstand, dass dies wegen der Vorschriften nicht möglich sei Er müsse sich genau an alle Regeln, die für die Filialen in Deutschland gelten, halten. Dort ist vorgeschrieben, dass ein Brötchen einen vorgeschriebenen Belag haben muss. Es darf nach diesen Regeln nur ein Sonnenblumenkern-Brötchen sein und, dass in diesem Beispiel nur mit Frischkäse, einem Salatblatt, einer Paprikascheibe und einer Gurke belegt werden muss. Alles andere widerspricht den Vorschriften.

Um diese Geschichte nicht zu lang werden zu lassen: Sie hat sich in diesem Geschäft ordnungsgemäß Käse gekauft und sich das Brötchen selber belegt …

Wir erleben in unserem Alltag überall Gesetze und Vorschriften, die unser Leben unnötig einengen und das Leben erschweren. Viele großartige Leistungen in der Literatur, in der Kunst und der Musik wären nicht möglich, wenn sich die Künstler an die Normen halten würden.

Ein Blick auf die Zehn Gebote oder der Bergpredigt beispielsweise könnte helfen, dass bereits wenige „Vorschriften“ ausreichen, um das Miteinander unter den Menschen zum Wohlergehen aller zu erleichtern.

Wie wäre es, wenn wir statt der morgendlichen Zeitungslektüre erst alle Gesetze und Vorschriften, die wir am jeweiligen Tag zu beachten haben, lesen?

img_0377-02

Foto: Gerd Taron

Das Große

Bewusst zu werden heißt nicht immer nur,
dich selbst besser zu verstehen,
deine Motive zu prüfen,
zu wachsen und zu reifen.
Es kann auch das Stillstehen sein,
dieses Ruhen im Herzen der Welt,
und von dort aus das Leben wahrzunehmen
ohne zu urteilen und zu vergleichen,
ohne Feststellungen und Einschätzungen zu suchen,
und dann am Ende über das Denken hinauszugleiten,
wie ein Schiff, das aufs Meer treibt.
Da gelten nicht mehr die Regeln des Festlandes,
nicht mehr die Sicherheit des Bekannten,
nicht mehr die Spuren im Sand,
sondern nur noch die Weite, die Gischt der Wellen,
das Licht am Horizont.
Da tritt das Große,
das keiner Erkenntnis gleicht,
ins Bewusstsein.
Da leuchten nachts die Sterne
im stillen Wasser.

Ulrich Schaffer

bjoern-ziegler-elektrokasten

Foto: Björn Ziegler

Dies geht an die Verrückten, die Unangepassten, die Rebellen, die Unruhestifter, die runden Stifte in den quadratischen Löchern, diejenigen, die Dinge anders sehen – sie mögen keine Regeln. Du kannst sie zitieren, eine andere Meinung haben als sie, sie glorifizieren oder verdammen. Aber das Einzige was du nicht machen kannst, ist sie zu ignorieren. Denn sie verändern die Dinge. Sie bringen die Menschheit voran und während einige sie als die Verrückten sehen mögen, sehen wir ihr Genie. Denn diejenigen die verrückt genug sind zu denken, dass sie die Welt verändern könnten, sind diejenigen, die es tun.

Steve Jobs

img_0232-02

Foto: Gerd Taron

Die Regeln

Mit jedem Gebrauch werden die Regeln kleiner,
ihre Ordnungen ein Gefängnis.
Bäume haben sie nicht erfunden,
zu vielzählig sind ihre Blätter,
auch stammen sie nicht vom Gras
mit seiner hinfälligen Weichheit,
und schon gar hat der Rabe sie geschaffen,
dessen Sprache ich fast verstehe.
Em Ende sind sie nur ein kleiner Widerstand
für meine Finger oder meine Zunge.
Ich nehme ihn wahr und gleite drüber hinweg,
weil er mir nicht gilt,
während das Leuchtfeuer am Horizont heller wird,
das Kribeln in den Händen zunimmt
und die fremde Sprache sich spricht.

Ulrich Schaffer

img_0279-02

Foto: Gerd Taron

Was ich dir wünsche:
Dass du dich von Regeln
nicht einengen lässt.
Dass du dich von Zielen
nicht überfordern lässt.
Dass du dich von Ängsten
nicht unterdrücken lässt.
Dass du dich von Aufgaben
nicht einschüchtern lässt.
Dass du dich von Gewohnheiten
nicht lähmen lässt.
Dass du deinen eigenen Rhythmus findest.
.
Mögest du bei der Rückschau
auf dein Leben erkennen,
dass du getan hast,
was dir möglich war,
dass du gesagt hast,
was dir wichtig war,
dass du gegeben hast,
was du hattest.
.
Dass du Mensch gewesen bist.
.
Udo Hahn

Ich hoffe und wünsche, dass Sie an diesem Wochenende eine ungeregelte und erholsame Zeit haben.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.