Alles geschenkt – Literarischer Wochenendgruß vom 09.12.16

Alles geschenkt – Literarischer Wochenendgruß vom 09.12.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

wie weit sind Sie mit Ihren Weihnachtsvorbereitungen? Haben Sie bereits alle Geschenke für Ihre Liebsten besorgt oder stürzen Sie sich in den nächsten Tagen in das Weihnachtsgetümmel?

Besonders in der Weihnachtszeit wird Schenken ein sehr wichtiges Thema. Warum ist das so? Ist es Tradition? Wird einem speziell in diesen Tagen bewusst, dass Schenken und Freude bereiten eine sehr schöne Ausdrucksform für Wertschätzung sein kann?

In dieser Ausgabe finden Sie einige Gedankenanstöße zu diesem Thema.

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Foto: Gerd Taron

Schenkerei

Wenn die Kassen süßer klingeln
und die Bells geschlossen jingeln,
Mamas in den Kaufhof drängeln,
Kinder nach Geschenken quengeln,
Papas mit den Augen rollen,
weil sie auch was schenken sollen,
wenn sich also Christmas naht,
wird’s gefährlich, in der Tat.
Rehe, Hirsche, Schweine, Rinder
und auch manchmal deren Kinder,
Gänse, Enten, Hühner, Puten
müssen sterben, diese Guten.
Äpfel, Mandelkern und Nüsse,
Mandarinen, Schokoküsse,
schwere Stollen, Bratensoße,
Schnäpse, kleine und auch große,
Spekulatius, Marzipan,
setzen an den Hüften an.
Flachbildschirme, Handys, Reisen,
kaufen wir zu Freundschaftspreisen.
Fluchend stehen wir im Stau.
Auf dem Rücksitz gibt’s Radau,
weil der Nachwuchs kotzen muss
von zu reichlichem Genuss.
Alle Nerven liegen blank.
Jetzt geht’s weiter, Gott sei Dank.
Und so mancher denkt bei sich:
Weihnachten ist fürchterlich!
Hoffentlich ist’s bald vorbei
mit der ganzen Schenkerei!
Doch jetzt mach ich ganz schnell Schluss,
weil ich noch was kaufen muss …

Paul Pfeffer

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Foto: Gerd Taron

Eines der grössten Geschenke, die Du geben kannst,
ist Deine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Oprah Winfrey

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Foto: Gerd Taron

Ich kann dir keinen Zauberteppich schenken,
Noch Diamanten oder edlen Nerz,
Drum geb ich dir dies Schlüsselchen von Erz,
Dazu mein ziemlich gut erhaltnes Herz
Zum Anmichdenken.
Ich kann dir keine braven Socken stricken,
Und meine Kochkunst würde dich nur plagen.
Drum nimm den Scherben rosarotes Glas,
Der führt ins Märchenland Ichweißnichtwas
An grauen Tagen.
Ich kann dir nicht Aladdins Lampe geben,
Kein Sesam und auch keinen Amethyst.
Doch weil dein Herz mir Flut und Ebbe ist,
Hier, diese Muschel, schimmernd wie von Tränen,
Zum Nachmirsehnen.

Mascha Kaléko

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Foto: Gerd Taron

Die größten Geschenke sind oft die,
die von alleine in dein Leben kommen.
Ich wünsche dir viele Geschenke
und große Freude beim Auspacken.
Ich wünsche dir offene Augen.
Einen Blick auf das Gute, dass dir begegnet
und ein wenig Muße
um auf alles Schöne zu blicken,
dass du in der Vergangenheit
in deinem Leben geschenkt bekommen hast.
Und dass du erkennst,
welches Geschenk das Leben selbst ist

Luc de Clapiers Vauvennargues

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Foto: Gerd Taron

Geschenke die nichts kosten und doch so wertvoll sind

1. Das Geschenk des Zuhörens
Höre wirklich zu, ohne zu unterbrechen, zu gähnen, zu kritisieren. Nur zuhören.

2. Das Geschenk der Süße
Sei großzügig mit angemessenen Umarmungen, Küssen, anerkennenden Schlägen auf den Rücken und Handschlägen.

3. Das Geschenk des Lächelns
Fülle Dein Leben mit Smilies, Zeichnungen, Cartoons und Dein Geschenk wird zum Ausdruck bringen: „Ich liebe es, mit Dir zu lachen.“

4. Das Geschenk der Notizen
Es kann ein einfaches „Danke für Deine Hilfe“ sein, eine Kleinigkeit wie diese wird vielleicht bis ans Lebensende in Erinnerung bleiben.

5. Das Geschenk des Komplimentes
Ein einfaches „Du siehst in Rot großartig aus“, „Du hast tolle Arbeit geleistet“ oder „Es war ein köstliches Essen“ kann für jemanden der schönste Moment am Tag sein.

6. Das Geschenk des Gefallen-Tuns
Versuche, jeden Tag jemandem einen Gefallen zu tun.

7. Das Geschenk des Alleinseins
An manchen Tagen gibt es nichts Besseres als alleine zu sein. Sei sensibel und billige anderen zu, wenn sie allein sein möchten.

8. Das immer vorhandene Geschenk der Dankbarkeit
Der einfachste Weg, um anderen ein gutes Gefühl zu vermitteln ist, sie zu grüßen, sich zu bedanken, einfach freundlich und höflich zu sein.

unbekannter Verfasser

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Foto: Maren Martell

Mögest du die kleinen Geschenke des Tages nicht übersehen:
den Tau auf den Grasspitzen,
den Sonnenschein auf deiner Tür,
die Regentropfen im Blumenbeet,
das behagliche Buckeln der Katze,
das Wiederkäuen der Kuh,
das Lachen aus Kinderkehlen,
die schwielige Hand des Nachbarn,
der dir einen Gruß über die Hecke schickt.
Möge dein Tag durch viele kleine Dinge groß werden.
Irischer Segenswunsch

Ich wünsche Ihnen ein 3. Adventswochenende mit vielen schönen kleinen Geschenken des Alltags.

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS:
Hinweis in eigener Sache:
Im Wochenendgruß vom 25.11.16 wurde im Gedicht „Wenn die Liebe nicht ganz reicht““ Elli Michler als Autorin angegeben. Ihre Tochter Barbara Michler bat mich darauf hinzuweisen, dass dieses Gedicht nicht von Ihrer Mutter stammt.

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Erinnerungen, die bleiben – Literarischer Wochenendgruß vom 02.12.16

Erinnerungen, die bleiben – Literarischer Wochenendgruß vom 02.12.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

wie ergeht es Ihnen in dieser Adventszeit? Haben Sie Zeit im Trubel dieser Tage und Wochen, sich zu besinnen? Einige von Ihnen werden über die vielen schönen Weihnachtsmärkte schlendern. Werden dabei vielleicht Erinnerungen an besondere Momente in Ihrem Leben wach oder geweckt?

Ein längeres Interview in dieser Woche für eine Studienarbeit über Erinnerungen führte mich zum Thema des Wochenendgrußes. Dabei wurden mir so manche Erlebnisse an gute und schlechte Zeiten wieder neu bewusst.

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Remember the lucky days- Bild: Lissy Theissen

Erinnerungen wählen

Mich erinnern zu können, ist eine Gabe.
Zu wählen, an was ich mich erinnere,
ist eine Entscheidung.
Ich kann auch die schweren Zeiten festhalten,
ich kann die Verluste noch einmal durchleben,
ich kann mich mit meinen Gedanken
Ich kann in Selbstmitleid baden.
Ich kann aber auch voller Dankbarkeit allen Erlebnissen,
auch den schweren,
eine Bedeutung geben.
Ich kann bewundern,
wie ich durch alles hindurch
einen einmaligen Weg gefunden habe.
Ich kann durch meine Erinnerungen von Minute zu Minute,
von Tag zu Tag reicher werden.
Das Oberflächliche wird von mir abfallen,
und tief in mir wird das leuchten,
was mir wertvoll war.

Ulrich Schaffer

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Foto: Gerd Taron

Ich mag Träume, die gelebt werden, heißen Punsch und Maronen auf dem Weihnachtsmarkt, den Geruch von Tannennadeln und Schnee, Erinnerungen an kindliche Vorweihnachtsfreude, absolute Stille, tiefsinnige Gespräche bei Kerzenschein und Kaminfeuer, oder einfach nur da sitzen und den Moment genießen, Umarmungen, die von Herzen kommen, angelächelt werden, ohne selber gelächelt zu haben, lachen, bis mir die Tränen kommen… … merken, dass man lebt!

Autor unbekannt

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Im Hessenpark – Foto: Gerd Taron

Die schönsten Erinnerungen sind stets Erlebnisse, für die man sich Zeit genommen hat. Ich weiß genau, dass ich immer durchs Leben gehetzt bin, zu viel Ungeduld und Rastlosigkeit im Gepäck gehabt, zu viele Chancen verpasst, zu viele wertvolle Menschen im aufgewirbelten Staub übersehen habe.

(Charles Kuralt Nachrichtenkorrespondent)

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Burscheid – Bergisches Land – Foto: Gerd Taron – Meine erste „Junggesellen-Wohnung“

Manchmal
sind Erinnerungen wie ein Regenguss
kommen auf dich herab,
erwischen dich ganz unvermutet.
Manchmal
sind Erinnerungen wie Gewitter,
schlagen auf dich ein,
gnadenlos in ihrem Auftauchen,
und dann wenn sie aufhören
lassen sie dich ermüdet und geschafft zurück
Manchmal
sind Erinnerungen wie Schatten
schleichen sich heimlich von hinten an,
verfolgen dich rundherum,
dann verschwinden sie
lassen dich traurig und verwirrt zurück.
Manchmal
sind Erinnerungen wie eine Daunendecke
umgeben dich mit Wärme
üppig, überreichlich
und manchmal bleiben sie,
hüllen dich in Zufriedenheit.

(Marsha Updike)

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Im Hessenpark – Foto: Gerd Taron

So milde wie Erinnerung
duften im Zimmer die Mimosen.
Doch unser Glaube steht in Rosen,
und unser großes Glück ist jung.
Sind wir denn schon vom Glück umglänzt ?
Nein, uns gehört erst dieses Rufen,
dies Stillestehn auf weißen Stufen,
an die der tiefe Tempel grenzt.
Das Warten an dem Rand des Heut.
Bis uns der Gott der reifen Keime
aus seinem hohen Säulenheime
die Rosen, rot, entgegenstreut…

Rainer-Maria Rilke

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Im Hessenpark – Foto: Gerd Taron

Weisheit des Alters – Das Erinnerungs-Konto

Ein 92-jähriger Mann beschloss nach dem Tod seiner Frau, ins Altersheim zu gehen. Die Wohnung schien ihm zu groß, und er wollte für seine letzten Tage auch noch ein bisschen Gesellschaft haben, denn er war geistig noch in guter Verfassung.

Im Heim musste er lange in der Halle warten, ehe ein junger Mann zu ihm kam und mitteilte, dass sein Zimmer nun fertig sei. Er bedankte sich und lächelte seinem Begleiter zu, während er, auf seinen Stock gestützt, langsam neben ihm herging.

Bevor sie den Aufzug betraten erhaschte der Alte einen Blick in eines der Zimmer und sagte. „Mir gefällt es sehr gut.“ Sein junger Begleiter war überrascht und meinte, er habe doch sein Zimmer noch gar nicht gesehen.
Bedächtig antwortete der alte Mann. „Wissen Sie, junger Mann, ob ich den Raum mag oder nicht, hängt nicht von der Lage oder der Einrichtung, sondern von meiner Einstellung ab, von der Art, wie ich ihn sehen will. Und ich habe mich entschieden, glücklich zu sein. Diese Entscheidung treffe ich jeden Morgen, wenn ich aufwache, denn ich kann wählen.
Ich kann im Bett bleiben und damit hadern, dass mein Körper dies und jenes nicht mehr so reibungslos schafft – oder ich kann aufstehen und dankbar sein für alles, was ich noch kann. Jeder Tag ist ein Geschenk, und solange ich
meine Augen öffnen kann, will ich sie auf den neuen Tag richten, und solange ich meinen Mund öffnen kann, will ich Gott danken für all die glücklichen Stunden, die ich erleben durfte und noch erleben darf.
Sie sind noch jung, doch nehmen Sie sich den Rat eines alten Mannes zu Herzen. Deponieren Sie alles Glück, alle Freude, alle schönen Erlebnisse als Erinnerungen auf einem Spezialkonto, um im Alter über einen Schatz zu verfügen, von dem Sie zehren können, wann immer Sie dessen bedürfen. Es liegt an Ihnen, wie hoch die Einlagen auf dem Konto sind. Ich verrate Ihnen noch zwei einfache Tricks, mit denen Sie ihr Konto rasch wachsen lassen können:
Hegen Sie in Ihrem Herzen nur Liebe, und und in ihren Gedanken nur Freude. In dem Bewusstsein, so ein Konto zu besitzen, verliert die Zukunft ihre Ungewissheit und der Tod seine Angst.“

Der junge Mann hatte staunend zugehört und bedankte sich nun mit einem strahlenden Leuchten in seinen Augen. Freudig drückte er den Arm des Alten und meinte: „Vielen Dank, soeben habe ich ein Erinnerungs-Konto bei meiner Bank eröffnet, und dieses Gespräch ist die erste Einlage.“

Mit diesen Worten öffnete er die Tür, um dem neuen Bewohner sein Zimmer zu zeigen.
Mit einem Schmunzeln sagte dieser: „Mir gefällt es sehr gut.“

Verfasser unbekannt

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Abtei St. Hildegard Rüdesheim-Eibingen – Foto: Gerd Taron

Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele. Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

Aus Südafrika

Ich wünsche Ihnen zum 2. Adventswochenende genügend Zeit zur Erinnerung, vor allem an die vielen schönen Momente in Ihrem Leben.

Ihr/Euer
Gerd Taron