Auf der Suche nach Weihnachten – Literarischer Weihnachtsgruß 2016

Auf der Suche nach Weihnachten – Literarischer Weihnachtsgruß 2016

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

zu Weihnachten erscheint wieder ein besonderer literarischer Gruß. Eine liebe Freundin und Künstlerin, Lissy Theissen, hat in ihrem Bild und ihrer Lyrik es so wunderbar formuliert: Auf der Suche nach Weihnachten.

Wonach suchen Sie in diesen Tagen voller Unruhe? Diese Frage stelle ich vor allem nach den schrecklichen Ereignissen der letzten Tage, sei es in Syrien, in Berlin oder an anderen Orten, wo Gewalt herrscht. Ein bisschen Frieden oder was bedeutet mir Weihnachten?

Ich wünsche mir für uns alle, dass Frieden einkehrt, bei mir, bei meiner Familie, bei meinen Freunden, bei jedem auf unserer Erde. Nur ein Traum?

Leben Sie Ihren Traum und begeben Sie sich auf der Suche nach Ihrem persönlichen Weihnachten.

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Bild: Lissy Theissen

Auf der Suche nach Weihnachten

Blindenhund meiner Seele
wo ist Weihnachten?
Mein stummer Versuch
inmitten des Weihnachtsgetöses
beim tröstenden Glühwein
meine hungernde Seele zu laben
scheitert, schmeckt unzureichend,
wirkt ein bisschen lächerlich.
Blindenhund der Seele
wo ist Weihnachten?
Verkaufsstände und Futterbuden,
schön und gesellig,
wenn Kälte und Neonlichter
uns umfangen.
Aber ist das alles?
Ist Weihnachten nicht mehr?
Viel mehr?
Kein wirkliches Weihnachtsgefühl
stellt sich ein,
alles wirkt trotz allem irgendwie hohl,
hinter der Romantikkulisse
das Ersehnte zerplatzt?
Seelenhund: Was hat Bestand?
Ich bin zu alt für zerplatzte Klischees
X-Mas und Weihnachtsgetöse.
Ich will wirklich Weihnachten!
Ich will das Christkind!
Ich will Weihe – und Nacht – und Geheimnis!
Und ganz plötzlich, da
die Liebe erscheint
ganz anders
von innen,
wenn du ruhig wirst
und suchst
und vor Sehnsucht schreist!
Da kommt die Antwort,
tiefinnen aus dir:
Da bin ich,
ich rufe so oft
nach dir. Immer.
Meine Augen sind
die eines Gläubigen
eines Ungläubigen
die einer Frau
eines Mannes
eines Kindes.
Ich bin in aller Welt.
Ich wohne tief innen
in jedem, in allem.
Schau in meine Augen,
schenke mir deine Liebe!
Dein Stall ist dunkel,
aber deine Sehnsucht ist hell.
Ich bin dir vertraut,
aber auch ein Fremder
auch ein Kind
ein Flüchtling
zurzeit unterwegs
wie damals ein Flüchtlingskind. –
Flüchtet ihr nicht alle
von Zeit zu Zeit
vor der Leere in euch
in liebende Arme?
Seelenhund sag:
Wer spricht da zu mir?
Ist das Gott?
Wo ist eigentlich Gott?
Ganz einfach:
überall
wo wirklich Liebe ist.
So einfach?
Ja, so einfach.
Und da ist auch Weihnachten.

© Lissy Theissen 2015/16

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Weihnachtskrippe auf dem Rettershof im Taunus – Foto: Gerd Taron

Die alten Worte

Die alten Zauberworte sind noch nicht verbraucht.
Sie wirken immer noch, sie strahlen noch von innen.
Wenn deine Seele dunkel in Verzweiflung taucht,
dann sprich sie aus, und alles kann von vorn beginnen.
Da gibt es Worte voller kleiner Zärtlichkeiten,
die deine Schläfen streicheln wie ein warmer Wind.
Und wilde Worte gibt’s, die reißen dir zuzeiten
so manche Türen ein, die sonst vermauert sind.
Und wenn du Sehnsucht sagst, dann weiten sich die Wände.
Du könntest einfach aufstehn und ins Freie gehn.
Und Wesen aus den Tiefen reichen dir die Hände.
Du bist berührt, du lächelst, und die Zeit bleibt stehn.

Paul Pfeffer

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Weihnachtskrippe auf dem Weihnachtsmarkt in Mainz – Foto: Gerd Taron
Weihnachten

Zeit der besonderen Schmerzen,
der stechenden Einsamkeit für viele,
Zeit, in der die eigene Leere auftaucht
wie ein Gespenst
und Kerzen und Atmosphäre
sie nicht zudecken können.
Gesucht sind da Menschen,
wie du und ich,
die Hoffnung haben,
die Wärme verbreiten können,
die echtes Interesse am andern haben
und glauben,
dass Gott sich dem Menschen zuwendet
in Liebe,
schon immer
und gerade
jetzt.

Ulrich Schaffer

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In der Talkirche zu Eppstein im Taunus – Foto: Gerd Taron

Willkommen, o seliger Abend
dem Herzen, das froh dich genießt
Du bist so erquickend, so labend
drum sei mir recht herzlich gegrüßt
In deiner erfreulichen Kühle
vergißt man die Leiden der Zeit,
vergißt man des Mittages Schwüle
und ist nur zum Danken bereit
Wenn säuselnde Lüftchen uns kühlen
kein Horcher, kein Lauscher uns stört
dann wird unter Wonnegefühlen
der Becher der Freundschaft gelehrt
Im Kreise sich liebender Freunde
gelagert auf schwellendem Grün
verzeiht man dem fluchenden Feinde
und lässet in Frieden ihn ziehn
Drückt mir eine reizende Schöne
im traulichen Dunkel die Hand
kein Dichter beschreibt diese Szene
sie ist mit dem Himmel verwandt
Beim Widerschein himmlischer Kerzen
feiert Liebe des schönsten Triumph
da schlagen die Herzen an Herzen
und Echo ruft leise – Triumph
Willkommen, o Abend voll Milde
du schenkst dem Ermüdeten Ruh
versetzt uns in Edens Gefilde
und lächelst uns Seligkeit zu
Fritz von Ludwig (1755 – 1811 – deutscher Dichter)

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Kirchenfenster St. Stephan in Mainz (geschaffen von Schülern von Marc Chagall) – Foto: Gerd Taron

Jedesmal,

wenn zwei Menschen einander verzeihen,
ist Weihnachten.
Jedesmal,
wenn Ihr Verständnis zeigt für Euere Kinder,
ist Weihnachten.
Jedesmal,
wenn Ihr einem Menschen helft,
ist Weihnachten.
Jedesmal,
wenn ein Kind geboren wird,
ist Weihnachten.
Jedesmal,
wenn Du versuchst, Deinem Leben
einen neuen Sinn zu geben,
ist Weihnachten.
Jedesmal,
wenn Ihr einander anseht
mit den Augen des Herzens,
mit einem Lächeln auf den Lippen,
ist Weihnachten.

Aus Brasilien

Ein friedvolles Weihnachtsfest, wo immer es Sie erleben, wünscht Ihnen
Ihr/Euer
Gerd Taron

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