Goldener Oktober – Literarischer Wochenendgruß vom 30.09.16

Goldener Oktober – Literarischer Wochenendgruß vom 30.09.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen sind Spaziergänge in der Natur bei herbstlichen Sonnenstrahlen ein erholsamer Genuss.

Die heutige Ausgabe des Wochenendgrußes möchte mit seinen Texten und Fotos den neuen Monat Oktober begrüßen. Möge er zu entspannenden Momenten führen.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz –
Stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.
Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen!

Theodor Storm

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Foto: Anne M. Pützer

HERBST.

Herbstlich ist´s,
im Land,
im Herzen.
Blattwerk fällt,
Gefühle schmerzen.
Will noch einmal farbenfroh genießen,
kosten von des Lebens Süße.
Fest den kahlen Baum umarmen.
Jahreszeit kennt kein Erbarmen.
Lebensherbst will Früchte ernten
Weitergeben vom Gelernten.
Will nicht verkümmern. Sonne spüren.
Der Erde Herz will er berühren.
Welk und nackt legt er sich nieder,
träumend, dass er kommet wieder.
Verjüngt und neu, im nächsten Leben.
Man möge ihm die Chance geben.

(Anne M. Pützer)

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Foto: Gerd Taron

Später Herbsttag

Noch einmal spielt die Sonne auf den Hängen
mit Farben wie von großen alten Meistern.
Noch einmal kann ihr Spiel mein Herz begeistern,
derweil mich dunkle Ahnungen bedrängen,
dass dieser Rausch schon bald vergehen werde.
Die letzten Früchte modern schon im Grase,
und letzte Rosen welken in der Vase
an meinem Fenster. Schwerer wird die Erde.
Doch heute will der Herbst noch einmal glänzen,
bevor der Winter mir den Tag verdunkelt.
Er lädt die Blätter ein zu wilden Tänzen
und zeigt, wie groß er ist und wie sein Auge funkelt.
Noch einmal will er seine Kraft und Fülle zeigen,
bevor sich seine Tage still dem Ende neigen.

Paul Pfeffer

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Foto: Gerd Taron

Herbstgold

Der Sommer ist gegangen,
und Frühherbst hält das Land
in feuerrotem Prangen
und golden in der Hand.
Die Ernte eingefahren,
in Körben Früchte, reich;
zur Mittagszeit,im Klaren,
spielt Luft noch mild und weich.
Da liegt im Traum das Leben,
es schwelt der Sonne Glut,
und sanft die Blätter schweben
dorthin, wo alles ruht.

© Ingrid Herta Drewing

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Spätsommer

Der Wind hat manches grüne Blatt geknickt
und gelbe rieseln runter auf die Wege;
es sammeln Eichkatz und auch Hamster rege
des Sommers Früchte ein, tun das geschickt.
Die Wärme trügt, lässt Schmetterlinge gaukeln,
die Bäume sind mit Zwetschgen reich gespickt,
am Quittenstrauch ein Star genüsslich pickt,
und Glockenblumen auf der Wiese schaukeln.
In Bechern frischer Most rubinrot schäumt.
Der Winzer in der Mittagssonne träumt,
auf seinem Schoß rollt sich die Katze ein.
So fließen Tage golden, in den Fässern gärt
die Maische, auserlesen wird der neue Wein,
der Freude auf den nächsten Sommer nährt.

© Gerda Jäger

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Foto: Hans JOerg Kampfenkel

Herbstgold

Wie war’s im Walde
heut wunderhold –
die Wipfel alle
von rotem Gold!
Goldender Boden,
golden der Duft,
fallende Blätter
von Gold aus der Luft.
Und es leuchtet
aus Tod und Vergeh’n
golden die Hoffnung
aufs Aufersteh’n.

(Ferdinand Ernst Albert Avenarius)

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Wie ich ein Blatt fallen sah
Hätte ich mich nicht nach
den zum Teil bereits nackten
Zweigen umgedreht, so würde mir
der Anblick des langsam-
goldig zu Boden fallenden,
aus üppigem
Sommer stammenden Blattes
entgangen sein. Ich hätte etwas
Schönes nicht gesehen und etwas Liebes,
Beruhigendes und Entzückendes,
Seelenfestigendes nicht empfunden. Schaue öfter
zurück, wenn es dir
dran liegt, dich zu bewahren.
Mit Gradausschauen ist`s nicht getan.
Die sahen nicht alles, die nicht rund um sich sah`n.

Robert Walser

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Oktobermeditation

In der größten Stadt der Herbst erfahren,
hier die prächtigste der Jahreszeiten,
ist ein Fast, an dem sich alle Farben,
beteiligen in ihrem eigenen Stile:
Das Blau präzis, das Grün ins Rot verschoben,
das Silberhelle aus dem Grau erhoben.-
Goldne aufgeschlossene Gassen gleiten
unmittelbar ins Zentrum der Gefühle.
In den Parkbereichen wohnen Götter
unseres Kinderglaubens. Wir erwachsenen Kinder,
nah dem Wesen der verwesten Blätter,
spüren das Herz des Herbstes in diesen Tagen
in uns und in den Dingen schlagen.
Rose Ausländer
Ich wünsche Ihnen ein erholsames erstes Oktober-Wochenende mit vielen schönen herbstlichen Impressionen.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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