Alles data? – Literarischer Wochenendgruß vom 16.09.16

Alles data? – Literarischer Wochenendgruß vom 16.09.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

vielleicht haben Sie sich diesmal über das ungewöhnliche Thema gewundert. In dieser Ausgabe ist nicht eine neue Kunstrichtung gemeint oder ein neuer Modetrend oder irgendetwas verrücktes.
In der Mittwochsausgabe der FAZ vom 14.09.16 erschien ein Artikel von Adrian Lobe unter der Überschrift „Lieber Computer, sag mir, wen ich heiraten soll.“, der mich sehr bewegt hat.

Dort wird sehr anschaulich dargestellt, dass wir in das Zeitalter des „Dataismus“ eingetreten sind. Darin wird eine neue Ära beschrieben in der Algorithmen die Menschen beherrschen.
Diese Ära bestimmt bereits unseren Alltag. George Orwell lässt grüßen

Wenn Sie heutzutage einen Service eines größeren Konzerns anrufen, „empfängt“ Sie oft eine Computerstimme, die sich um Ihr Anliegen „kümmert“.
Wenn wir uns informieren wollen, fragen wir oft nicht mehr unsere Freunde oder Familie, sondern wie „googlen“ lieber. Das erscheint uns oft der bequemere Weg und kommt der Wahrheit (?) näher.
„Wir delegieren immer mehr Entscheidungen an Algorithmen,“ und weiter heißt es in dem oben genannten Artikel: „Die Autorität verschiebt sich vom Menschen auf Computer-Algorithmen“ (Zitat des israelischen Historikers Yuval Noah Harari)

„Der Dataismus macht alles gleichförmig, von Aktienkursen über Musik bis hin zur Liebe, alles wird in Datenwolken beschrieben.“
Wir Menschen scheinen unfähig zu sein, aus der Geschichte zu lernen. „Im alten Ägypten hatten nur Priester und Schreiber Zugang zu Wissen und das Fußvolk zu Emoji sendenden Analphabeten degeneriert. Eine kleine Elite der Tech-Giganten weiß alles, die große Masse fast nichts.“

Diese beiden letzten Sätze aus dem Artikel geben mir Anlass, über die neue Ära des „Dataismus“ nachzudenken und im eigenen Alltag andere Akzente zu setzen. Das bedeutet für mich, meine persönlichen Daten/Informationen vom Umgang mit realen Menschen zu bekommen, sei es eine Buchempfehlung oder anderes. Manche Informationen aus dem Internet sind sicher hilfreich, das möchte ich bei aller Kritik am neuen Zeitalter nicht ausschließen.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Die Börse wird uns nicht retten
Die Börse wird uns nicht retten.
Geld können wir nicht essen.
Politische Macht wird uns am Ende nicht retten.
Wir finden keinen anhaltenden Trost in Macht.
Waffen werden uns nicht retten.
Der Tod kommt aus einer unerwarteten Ecke.
Der Fortschritt wird uns nicht retten.
Dinge sind keine Nahrung für die Seele.
Mehr Wissen wird uns nicht retten.
Ohne Liebe und Verantwortung ist es eine tödliche Waffe.
Wirtschaftliche Überlegenheit wird uns nicht retten.
Wir können Geld immer noch nicht essen.
Ganz Mensch zu werden, herrlich lebendig zu sein
wird unser Leben lebenswert machen.
Vielleicht kommt bald die Zeit,
da wir uns auf unsere Einmaligkeit besinnen
und nicht leben, um zu passen
und nur ein Rädchen im Getriebe
der Maschinerie der Welt zu sein.
Ich ahne, dass nichts wichtiger ist
als meinen Beitrag zum Mosaik zu leisten,
meinen Teil des Bildes fertig zu stellen,
meine Gedanken hinzuzufügen,
so begrenzt sie auch sein mögen,
beizutragen zu dem tiefen Vorrat an Einsicht,
zu dem Schatz, was es heißt, Mensch zu sein.
Ulrich Schaffer

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Steinmetz

Eines Tages kam er am Haus eines reichen Kaufmannes vorbei, sah dessen großen Besitz und bemerkte, wie sehr der Kaufmann geachtet wurde. Der Steinmetz beneidete den reichen Kaufmann und wünschte sich, so zu leben wie dieser. Dann müsste er nicht länger ein einfacher Steinmetz sein. Zu seiner Verwunderung wurde ihm sein Wunsch gewährt. Plötzlich war er der Kaufmann und besaß mehr Macht und Luxus, als er jemals zu träumen gewagt hätte. Aber er wurde auch von den Armen beneidet und verachtet und hatte mehr Feinde, als er jemals für möglich gehalten hatte.

Dann sah er einen hohen Beamten, der von Dienern getragen und von Soldaten eskortiert wurde und vor dem sich auch die Armen verneigten. Der beamte war der mächtigste und geachtetste Mann im ganzen Reich. Und der ehemalige Steinmetz und jetzige Kaufmann wünschte sich, wie jener hohe Beamte zu sein, Diener zu haben und Soldaten, die ihn bewachten, und mächtiger zu sein als alle anderen. Auch dieser Wunsch wurde ihm gewährt. Er verwandelte sich in den hohen Beamten, den mächtigsten Mann im ganzen Reich, vor dem alle sich verneigten. Aber der Beamte war auch der am meisten gefürchtete und gehasste Mann des Reiches, nur deshalb brauchte er so viele Soldaten. Die Sonne sandte stechende Strahlen zur Erde. Die Hitze war dem hohen Beamten sehr unangenehm, machte ihn mürrisch und verdrießlich. Er schaute zur Sonne empor und sagte bei sich: „Wie mächtig sie ist. Ich wünschte, ich könnte die Sonne sein.“

Es dauerte nicht lange, da war er die Sonne, die auf die Erde schien. Doch dann schob sich eine große, dunkle Wolke vor ihn und versperrte seinen Strahlen den Weg. „Wie mächtig die Wolke ist“, dachte er „Ich wünschte, ich wäre so mächtig wie die Wolke.“ Und so wurde er zur Wolke, die den Sonnenstrahlen den Weg versperrte und auf die Dörfer regnete. Doch ein starker Wind kam auf und blies die Wolke fort. „Ich wünschte, ich wäre so mächtig wie der Wind“, dachte er, und als er es aussprach, verwandelte er sich in den Wind. Doch der Wind konnte zwar Bäume entwurzeln und ganze Dörfer verheeren, aber er konnte nichts gegen einen Stein ausrichten. Der große Stein rührte sich nicht von der Stelle, er widerstand der geballten Macht des Windes. „Wie mächtig dieser Stein ist“, dachte der Wind. „Oh, wie gern wäre ich so mächtig wie er.“

Und er verwandelte sich in den großen Stein, der der geballten Kraft des Windes widerstanden hatte. Jetzt war er endlich glücklich, die große Macht auf Erden. Aber plötzlich hörte er ein Geräusch: klick, klick, klick. Ein Hammer trieb einen Meißel in den Stein und brach ihn Stück für Stück entzwei. „Was könnte mächtiger sein als ich?“ fragte sich der Stein.

Und da, am Fuße des großen Steines, stand … ein Steinmetz.

Autor: Unbekannt

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Foto: Gerd Taron

Ja, während die Mächtigen, die großen Narren, die Welt in Trümmer schlagen, versuchen wir, die kleinen Narren, den Trümmerhaufen immer wieder mit versöhnlichen Schriftzeichen zu beschreiben und mit Blumensamen zu besäen.“
Hermann Hesse

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Foto: Gerd Taron

Kein anderer Mensch hat die Macht, Einfluss auf den Klang deiner Seele zu nehmen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dir zu sagen, was richtig und was falsch ist.
Kein anderer Mensch hat die Macht, deinen Glauben anzuzweifeln.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dich zu demütigen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dich unglücklich zu machen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, dich zu verletzen.
Kein anderer Mensch hat die Macht, deine Träume zu zerstören.
Es sei denn, du gibst sie ihm.

Angelika Wende

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Segenswunsch

Ich wünsche dir Füße,
die dich auf den Weg bringen
zu dem was wichtig ist
und die nicht stehen bleiben
vor den Schritten, die entscheidend sind.
Ich wünsche dir ein Rückgrat,
mit dem du aufrecht
und aufrichtig leben kannst
und das sich nicht beugt
vor Unterdrückung, Willkür und Macht.
Ich wünsche dir ein Herz,
in dem viele Menschen zu Hause sind
und das nicht müde wird,
Liebe zu üben und Schuld zu verzeihen
Christa Spilling- Nöker
Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich nicht von Maschinen beherrschen lassen. Es gibt so viele Möglichkeiten, Menschen zu begegnen, sei es auf den Wochenmärkten, auf Veranstaltungen jeglicher Art. Dazu möge das bevorstehende Wochenende beitragen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Einige Hinweise in eigener Sache:
Am Sonntag, 18.09.2016 finden wieder die „Kelkheimer Möbeltage mit dem VKS-Marktplatz in der Stadthalle Kelkheim“ statt. Von 12 bis 18 Uhr haben viele Geschäfte in Kelkheim geöffnet, so auch Viola’s Bücherwurm in der Bahnstraße 13. Dort werde ich wieder wie in den Jahren zuvor mit einem kleinen Stand vor der Buchhandlung vertreten sein

Ich freue mich auf ein Wiedersehen oder Kennenlernen.

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