Die Spreu vom Weizen trennen – Literarischer Wochenendgruß vom 26.08.16

Die Spreu vom Weizen trennen – Literarischer Wochenendgruß vom 26.08.16

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Blick auf Kelkheim-Ruppertshain – Foto: Gerd Taron

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

als ich in den vergangenen Tagen mit einer sehr lieben Freundin einen Spaziergang hier im Taunus rund um den Rettershof unternahm, sind mir diese Strohballen-Felder begegnet. Es war ein beeindruckendes Bild in dieser herrlichen Landschaft.
Dabei kam mir sofort die Redensart „die Spreu vom Weizen trennen“ in den Sinn. In einem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten habe ich nachgeschaut und dazu folgendes gefunden:

„Gut und Böse, Nützliches und Unnützes, Echtes und Falsches trennen. Die Redensart ist biblischen Ursprungs und beruht auf dem Matthaus-Evangelium (Kapitel 3, Vers 12). Dort heißt es: „ Er wird seine Tenne fegen und den Weizen in eine Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen mit ewigem Feuer.“
Bei Moltke heißt es dazu: „Die Schärfe eines Verstandes schied sofort die Spreu vom Weizen.“

Was bedeutet diese Redensart in meinem Leben? Wo nehme ich für mich Trennungen sinnvoll vor – mit allen Konsequenzen?

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Bäckermeister Raimund Dorn in der Bäckerei Dorn in Kelkheim-Münster – Foto: Markus Müller

Bei einer Besichtigung einer alteingesessenen und traditionsreichen Bäckerei in unserer Stadt würde mir weiter deutlich, wie wichtig ist, auf das Gute zu achten und es wertzuschätzen.
Möge die neue Ausgabe des Wochenendgrußes Ihnen wieder neue Inspiration für das Wochenende und darüber hinaus geben.

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In der Bäckerei Dorn in Kelkheim-Münster – Foto: Christiane Busch

DAS BROT

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild’,
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

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Blick auf den Rettershof im Taunus– Foto: Gerd Taron

WANDERUNG.

Sommerblumengesäumt ist der Feldweg, auf dem ich in der Frühmittagssonne spaziere.
Zu beiden Seiten erstrecken sich viele Hektar große Getreidefelder. Ich glaube, es sind Weizen und Gerste.
Erinnerungen kommen hoch, an meine Kindheit auf dem Lande, wo ich den Unterscheid zwischen den verschiedenen Sorten erkennen lernte.
Die Sonne brennt mir auf den Scheitel und färbt meine Nase und Ohren rot. Ein leichter Wind weht, wie überall auf den Eifeler Höhen. Ein Gefühl der absoluten Zufriedenheit macht sich in mir breit. Unendlich weite, schöne Natur, bestes Wetter und eine vertraute, gesprächsbereite Begleitung.
Stunden des Glücks.
Die Wärme entspannt meinen empfindlichen Magen und streichelt mein Gemüt.
Mir fallen die vielen Wandertage meiner Kindheit ein, wo ich, mit meinen Eltern und drei Geschwistern, kilometerweit zu Fuß die Lande durchstreift habe, und wo wir, meistens vor Erschöpfung und wundgelaufenen Füssen, stöhnend, vorzeitig heimkehren wollten. Mangels Auto blieb der Familie an den Wochenenden und in den Ferien nichts anderes übrig, als die Welt selbstlaufend zu entdecken.
Von der jüngsten dreijährigen Tochter über mich, die mit zwölf Jahren die Älteste war, bis zu Vater und Mutter, marschierten wir mit Wanderstöcken über Feld- Wald und Wiesenwege, und über harten Asphalt durch die Eifel…über viele Berge und durch Täler.
Vater forderte uns immer auf:“ Lasst uns ein Lied singen!“, was aber immer von allen rigoros abgelehnt wurde, es ihn aber nicht hinderte, allein drauflos zu singen. Es folgten bekannte Wanderlieder, volkstümliche Lieder und Operettenarien, die er als großer Sangesfreund zum besten gab. Er gab sich alle Mühe, seine Stimme wie die von Rudolf Schock klingen zu können. Ich wollte damals lieber Elvis hören.
Diese Erinnerungen kommen mir jetzt auf unserem Spaziergang hoch…wo mich das faszinierende Rot einer riesigen, nicht bewirtschafteten, Mohnblumenwiese bewegt und ich nicht aufhören kann, mich zu begeistern und Fotos zu machen. Wie dankbar darf ich sein, in solcher Landschaft leben zu dürfen… die so unberührt und harmonisch wirkt. Ich nehme diese Eindrücke mit nach Hause, vervielfache sie durch erzählen, Fotos vorführen und Texte drüber schreiben. Diese Wanderung, sie wirkt nachhaltig.

Sommer in der Eifel.

(Anne M. Pützer)
Anmerkung: Die Autorin ist in der Eifel beheimatet

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie
Die Ernte
Weiße flimmernde Sonnenflut
rings auf den wogenden Weiten ruht;
rüstige Mäher bei scharfem Schnitt – –
schwirrende Sensen singen mit:
Die Halme fallen.

Und hart am staubigen Straßenrain
schafft tief gebückt ein Mütterlein;
schon manche brennende Stunde lang
sirrt und surrt der Sichelklang – –
Die Halme fallen.

Da schaut aus schimmerndem Aehrenfeld
der Gutsherr auf zum Wolkenzelt:
– »Vorwärts, ihr Leute, die Stunde rinnt!
In den Klüften murrt der Gewitterwind -«
Die Halme fallen.

Und in den perlenden Abendtau
blickt so fröhlich die alte Frau;
sie wischt von der Stirne den hellen Schweiß
und zählt im Geiste der Garben Preis.
Die Halme fallen.

-Vorwärts, ihr Knechte! die Stunde rinnt!
Mein Mahl bereitet das Ingesind;
mein Weib umrauscht ein seidener Flor – –
und der Jude wartet am Gartentor.«
Die Halme fallen!

Und müde legt nach des Tages Brand
das Weib die Sichel aus der Hand:
»Du goldner Segen auf schmalem Feld,
du gibst mir Brot und du schaffst mir Geld!« –
Die Halme fallen.

– »Vorwärts, ihr Hunde, verdient den Lohn!«
Er denkt an seinen fernen Sohn.
Der schnellste Reiter auf blachem Feld
und der Gott der Weiber – das kostet Geld! –
Die Halme fallen.

»Und all das Gold« – die Alte sinnt –
»in die Ferne schickt ich’s dem einzigen Kind.
Sie trieben ihn fort von Haus und Huf,
nun harrt er drüben der Heimat Ruf:
Die Halme fallen.

Und kehrt er heim, wenn der Himmel loht,
wenn der Weizen reif und das Mohnfeld rot,
dann faßt er die Sense zu heißem Schnitt –
und ich laufe und sammle und jauchze mit:
»Die Halme fallen!«
Clara Müller-Jahnke
Aus der Sammlung Sturmlieder vom Meer

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Die Ähre beugt sich, in welcher Körner sind,
die aufrecht steht ist Spreu und fliehet vor dem Wind.
Alter Spruch

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Am Rettershof im Taunus – Foto: Gerd Taron

Alle Grenzen entstehen im Herzen
Alle Grenzen entstehen im Herzen.
Alle Linien auf Landkarten
wurden zuerst in Herzen gezogen.
Tief in uns geschehen die Trennungen.
Wo ziehen wir beide die Linie?
Die Linie macht uns zu Fremden.
So urteilen, trennen und sondern wir ab.
So entfremden und isolieren wir uns und werden einsam.
Nichts tötet so wie die Linie durchs Herz.
Zuerst sterben die anderen, aber am Ende auch wir.
Verachtung, Abscheu und Hass sind teuer.
Die neue Welt fordert von uns,
dass wir unsere Herzen glätten,
damit sie durchquert werden können,
wie endlose Weizenfelder der Nahrung ohne Zäune,
dass wir unseren Geist verwandeln
in eine Wiese, auf der sich alle versammeln können,
um einander zu feiern,
dass wir selbst Gärten voller Überfluss für die Hungrigen werden,
Feste der Freude für die Niedergeschlagenen
und eine Zuflucht für die Hilfsbedürftigen.
Weigere dich, kleinlich zu werden,
mache dein Herz nicht zu einem Abgrund des Misstrauens,
lass dich nicht zählen, wenn die Zerstörer wieder einmal aufrechnen,
wen sie auf ihrer Seite haben.
Es ist Zeit,
die Welt wie vom Weltraum zu sehen, ohne Grenzen,
weil die Zeit der Reiche und des Herrschens vorbei ist.
Es ist Zeit für das internationale Abenteuer der Liebe.
Ich wünsche Ihnen, ein erholsames Sommer-Wochenende mit viel Sonne und Muße diese Tage zu genießen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

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Im Schaufenster der Bäckerei Dorn in Kelkheim-Münster – Foto: Gerd Taron

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