Mit offenen Augen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.07.16

Mit offenen Augen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.07.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen war ich zwecks Vorbereitungen für meine literarischen Spaziergänge am 16.07. in Frankfurt und am 17.07. in Mainz unterwegs. Dabei wurde mir wieder besonders bedeutsam, die Augen offen zu halten – für neue Entdeckungen, für neue Begebenheiten. Die Umgebung ist vertraut und doch ist es immer wieder spannend, Ungewöhnliches zu sehen und aufzunehmen.

Im Alltag versäumen wir es allzu oft, die Augen für unsere Mitmenschen, für unsere Umgebung offen zu halten. Unsere Augen müssen so viel wahrnehmen und manchmal verlieren wir dabei den Blick für das Wesentliche oder für das Unscheinbare.
Die neue Ausgabe des Wochenendgrußes möge unsere Augen zu einem neuen Sehen führen.

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St. Stephan Mainz – Foto: Gerd Taron

Wenn wir unsere Erde mit offenen Augen betrachten: Welch ein herrlicher Planet mit seinen Tieren, Pflanzen, Bergen, Seen, Meeren… Fast alles, was uns betrübt, kommt nicht von der Erde, sondern von den Menschen. In der Natur können wir – und unser Herz und die Seele – frei aufatmen. Geht mehr in die Natur, lernt sie lieben! Dann hat Betrübnis nur noch wenig Platz in Euren Herzen “ ༺ಌ༺
Werner Braun (1951 – 2006), deutscher Aphoristiker

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Foto: Bettina Johl

So wie jemand sehen kann,
wenn seine Augen offen sind,
so kann jemand verstehen,
wenn sein Herz offen ist.
Hazrat Inayat Khan

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Foto: Birgit Böllinger

Vom Augenfenster und Herzfenster
Fynn sagt, dass alle Menschen zwei verschiedene Arten von Fenstern haben: die Augenfenster, davon haben sie zwei, und das Herzfenster, davon hat jeder nur eins. Die Augenfenster sind da, um rauszugucken, und das Herzfenster ist da, um nach innen reinzugucken.
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„Wenn man weint“, sagt Fynn, „dann ist das nicht nur wegen etwas Traurigem. Es ist auch dafür, dass man mal die Augenfenster putzen muss. Wenn sie dann sauber geworden sind von den Tränen, kann man besser durchgucken, und dann ist die Welt wieder viel heller als vorher.“
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Manchmal guck ich lieber durchs Herzfenster als durch die Augenfenster.
Weil, draußen kenn ich bald alles, was es zu sehen gibt.
Aber wenn ich durchs Herzfenster nach innen reingucke, da seh ich immer Neues. Bei mir auch.
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„Denn von innen“, sagt Fynn, „kennt sich niemand so gut, wie er seinen Garten kennt oder die Leute von gegenüber. Und das ist, weil das Herzfenster aus anderem Glas ist. Nach draußen, durch die Augenfenster, siehste meistens klarer“, findet Fynn.
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Aber ich glaub, ich seh mit dem Herz besser.
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aus: “Anna schreibt an Mister Gott“

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Gedenkstätte St. Christoph Mainz – Foto Gerd Taron

Augen in der Großstadt
Wenn du zur Arbeit gehst
am frühen Morgen,
wenn du am Bahnhof stehst
mit deinen Sorgen:
da zeigt die Stadt
dir asphaltglatt
im Menschentrichter
Millionen Gesichter:
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das? vielleicht dein Lebensglück…
vorbei, verweht, nie wieder.
Du gehst dein Leben lang
auf tausend Straßen;
du siehst auf deinem Gang, die
dich vergaßen.
Ein Auge winkt,
die Seele klingt;
du hast’s gefunden,
nur für Sekunden…
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück…
Vorbei, verweht, nie wieder.
Du mußt auf deinem Gang
durch Städte wandern;
siehst einen Pulsschlag lang
den fremden Andern.
Es kann ein Feind sein,
es kann ein Freund sein,
es kann im Kampfe dein
Genosse sein.
Er sieht hinüber
und zieht vorüber …
Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider –
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück!
Vorbei, verweht, nie wieder.

Kurt Tucholsky

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Unsere Augen sind es…
die das Licht der Wahrheit brechen
Unsere Augen sind es…
die die funkelnden Kristalle unserer Gefühle ausdrücken
Unsere Augen sind es…
die uns unsere Liebe reflektieren
Unsere Augen sind es…
die uns Geschichten von Unendlichkeit erzählen
Unsere Augen sind es…
durch die wir unser Inneres, unsere Gedanken
zur Realität werden lassen
Und unsere Augen sind es…
die nur durch die Tränen unserer Kinderseele wieder in unschuldiger Klarheit erstrahlen können

Alexandra Schnetz

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die größten Geschenke sind oft die,
die von alleine in dein Leben kommen.
Ich wünsche dir viele Geschenke
und große Freude beim Auspacken.
Ich wünsche dir offene Augen.
Einen Blick auf das Gute, dass dir begegnet
und ein wenig Muße
um auf alles Schöne zu blicken,
dass du in der Vergangenheit
in deinem Leben geschenkt bekommen hast.
Und dass du erkennst,
welches Geschenk das Leben selbst ist ღ♥

Luc de Clapiers Vauvennargues –

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende mit großen offenen Augen für Ihr persönliches Umfeld.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Hinweise zu den erwähnten Veranstaltungen am Wochenende 16.07./17.07.
Samstag, 16.07.16 – 12:00 Uhr (Ende ca. 13:30 Uhr)
Literarischer Spaziergang an ausgewählten Orten in der Frankfurter Innenstadt
Treffpunkt: Frankfurt, Haus des Buches, Braubachstraße 16 (zwischen Hasengasse und Domplatz bzw. südliche Parallelstraße der Berliner Straße) am Bouquinistenmarkt
Von 10:00 bis 16:00 Uhr finden Bücherfreunde auf dem Bouquinistenmarkt eine reichhaltige Auswahl von antiquarischen Büchern. Der Spaziergang startet und endet hier.
Kostenbeitrag: 5 Euro

Samstag, 16.07.16 – 15:00 Uhr (Ende ca. 16:30 Uhr)
Literarischer Spaziergang rund um den Frankfurter Hauptbahnhof –
Thema: Unterwegs sein
Treffpunkt: Frankfurt Hauptbahnhof, Gleis 1, Nebenausgang Mannheimer Straße
Es werden Geschichten und Gedichte vom Reisen präsentiert.
Nach dem Spaziergang besteht die Möglichkeit im gemütlichen Café Nussknacker, Karlsruher Str. 5, zu verweilen. Das Café befindet sich in unmittelbarer Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofes – Südseite.
Kostenbeitrag: 5 Euro

Sonntag, 17.07.16 – 14:30 Uhr
Auf den Spuren von Marc Chagall und seinen Schülern in Mainz
Ein Spaziergang führt uns durch die Mainzer Altstadt hoch zur Kirche St. Stephan. Auf dem Weg dorthin werden ausgewählte Texte präsentiert. In der Kirche St. Stephan besteht ausreichend Gelegenheit – jeder für sich persönlich – die Chagall-Fenster und die seiner Schüler zu betrachten.
Treffpunkt: Fastnachtsbrunnen (Schillerplatz)
Kostenbeitrag: 8 Euro

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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Ein Kommentar zu “Mit offenen Augen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.07.16

  1. Wieder ein sehr anregender Wochengruß! Danke, Gerd Taron! 😊

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