Schön, dass es Dich gibt – Literarischer Wochenendgruß vom 03.06.16

Schön, dass es Dich gibt – Literarischer Wochenendgruß vom 03.06.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

einige Leser des Wochenendgrußes, die meine Aktivitäten über facebook verfolgen, kennen die Geschichte bereits, die mir vor kurzem widerfahren ist.

Es war beim Kelkheimer Stadtmarkt, als ich beim Einräumen meines Bücherstandes vor der Buchhandlung Viola’s Bücherwurm den folgenden kleinen Umschlag mit diesem Inhalt fand:

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Der liebe Gruß hatte leider keinen Absender und es gibt keine Hinweise auf die Herkunft. Bis jetzt habe ich die wahrscheinlich weibliche Absenderin nicht gefunden. Auch wenn ich es möglicherweise nicht erfahren werde: Die Botschaft hat mich berührt, vor allem in dieser Form.

Es stimmt mich nachdenklich – das gilt auch für mich – dass wir oft gedankenlos sind, was mir mein Mitmensch bedeutet. Ein einfaches „Schön, dass es Dich gibt“ kann so viel Lebenswärme in unsere Herzen bringen.

Alle nachfolgenden Fotos der heutigen Ausgabe sind eine Auswahl von Lieblingsfotos von Hans Joerg Kampfenkel. Er begleitet den Wochenendgruß bekanntlich seit langem. Ihm ist dieser Wochenendgruß in besonderer Weise gewidmet. Am Ende finden Sie einen Hinweis auf eine Veranstaltung mit ihm am Sonntag, 05.06.

1305_Mai(28) 100_3S-02

ICH und DU und WIR

Ich tu, was ich tu, dafür bin alleine Ich verantwortlich.
Und Du tust, was Du tust, wofür nur Du verantwortlich bist.
Ich bin nicht auf dieser Welt, um nach deinen Erwartungen zu leben.
Ich kann und darf Erwartungen von dir erfüllen,
muss es aber nicht – wie entlastend.
Und Du bist nicht auf dieser Welt,
um nach meinen Erwartungen zu leben.
Wie schön, dass du viele meiner Erwartungen
ohne Belastung und Druck erfüllst.
Du bist Du, und Ich bin Ich.
Ich achte deine Grenzen, du achtest meine Grenzen.
Ich achte Dich, Du achtest mich.
Und manchmal verschmelzen wir – in Liebe.
Aus Ich und Du wird dann ein Wir.
Wir achten uns. Ich achte mich, Du achtest dich.
Und wenn wir uns zufällig finden – wunderbar.
Manchmal erleben wir Situationen, in denen wir uns nahe sind.
Wenn nicht, kann man nichts machen.

Begegnungen wollen wir nicht erzwingen. Für sie bleiben wir offen.

Schön, dass es Dich gibt, dass es mich gibt, dass es UNS gibt.

von Fritz Pearls

1007_Juli(6) 002_1AS-02

Der Engel im Walde

Ich aber traf ihn nachmittags im Wald.
Ein Wunder, das durch Buchenräume ging,
So menschenfern, so steigend die Gestalt,
Daß blaue Luft im Fittich sich verfing;
Das Antlitz schien ein reines, stilles Leid,
Sehr sanft und silbrig rieselte das Haar,
In großen Falten schritt das weiße Kleid.
Er schaffte nichts, er sagte nichts; er war.
Und nichts an ihm, was schreckte, was verbot,
Und dennoch: keines Sterbens Weggenoß,
Daß meine Lippe, ob auch unbedroht,
Erstaunten Ruf, die Frage stumm verschloß.
Ein Blatt entwehte an sein Gürtelband,
Vergilbt und schon ein wenig krausgerollt;
Er fing und trug es in der schmalen Hand
Wie ein Geschenk aus Bronze und aus Gold.
Wer sah ihm zu ? Das Eichhorn, rot am Ast,
Und Rehe, die das Buschwerk schnell verlor.
Und Erlen wanden schon im Abendglast
Wie schwarze Schlangen züngelnd sich empor.
Er regte kaum die dünne Blätterschicht
Mit weichem Fuß. Er hatte ewig Zeit
Und zog: wohin? In Stadt und Dörfer nicht;
Er wallte außer aller Wirklichkeit.
Nicht unsre Not, nicht unser armes Glück,
Nur keusche Ruhe barg sein Schwingenpaar
Ich folgte nach und stand und blieb zurück.
Er brachte nichts, er sagte nichts: er war.

Gertrud Kolmar:
Pseudonym für Gertrud Käthe Chodziesner (geb. 10.12.1894 in Berlin – gest. vermutlich Anfang März 1943 in Auschwitz) – deutsche Lyrikerin und Schriftstellerin *.

1009_Sep(17) 035_1S-02

NEUES LEBEN

Der milde Frühlingswind trägt ein Samenkorn heran und lässt es sanft zu Boden fallen.
Es fällt hinein in die Asche, die übrig geblieben ist, von den Feuern, die im Laufe der Zeit gewütet haben.
Diese Asche ist fruchtbar und bietet mit ihren Nähstoffen den geeigneten Boden für dieses junge Samenkorn.
Die Sonne durchdringt mit ihrer Wärme den schwarzen, scheinbar leblosen Boden.
Das Samenkorn bricht auf und eine junge Pflanze beginnt ihr Leben – noch nicht ahnend, was aus ihr mal werden wird.
Sie schiebt sich neugierig durch die weiche Erde und begrüßt neugierig das unbekannte Tageslicht.
Um sie herum keimt weiteres, hungriges Leben. Grashalme, Blumen und junge Bäume schmücken mit ihrem Grün und ihren Farben die rasch wachsende Wiese.
Die bunten Blumen nicken ihr freundlich von allen Seiten mit ihren bunten Köpfen zu.
Sie scheinen zu sagen:,, Willkommen bei uns. Schön, dass du da bist.“
Stolz und kräftig ragt sich die junge Pflanze gen Sonne auf und sie spürt den unbedingten Willen zu leben in sich.

Der sanfte Wind lässt die Pflanze sich geschmeidig nach allen Seiten hin neigen,
und nach seiner Choreographie wiegen sich alle Halme und Blumen mit.
Die Pflanze ahnt instinktiv ihre nahende Zukunft und sieht sich in ihren voraus eilenden Träumen als jungen, starken Baum heran wachsen.
Ein Baum würde sie werden, mit einer dicken Rinde, so dick, dass fast nichts sie verwunden kann.
Hoch würde sie in den Himmel ragen und dort oben die, noch so weit entfernte, Sonne begrüßen.
Ihre breite Krone, geschmückt mit tausenden Blüten, würde einst vielen Vögeln Heimat bieten, und jeder würde unter ihr Schutz finden.
Den starken, schönen Baum wird man verehren, ihn umarmen und ihn besingen.
Dichter werden bewundernd poetische Zeilen schreiben, und Musiker mit, aus dem Herzen kommenden, Klängen, Rhythmen und Melodien ihre Ehrfurcht intonieren.
Ja, so träumte sich die Pflanze ihr zukünftiges, viel versprechendes Leben,
still hoffend, dass keine weiteren Feuer wüten werden.

– Anne M Pützer –

1407_Juli((18) 278_1-02

Vertrauen ist …
… wenn Du mit verbundenen Augen irgendwo hingeführt wirst,
dann ohne Zweifel und Angst mit dem Wissen,
es wird Dir nichts geschehen, weil unten jemand steht,
der Dich auffängt!
Nur durch eine kleine Geste kann man lieben Menschen
eine wirkliche Freude bereiten :

Wenn eine Hand Dir übers Haar streicht.
Wenn ein Arm sich schützend um Dich legt.
Wenn Dir jemand zuhört und Dir tröstende Worte schenkt.
Wenn man Dich nicht verurteilt, weil Du Fehler machst.
Wenn Du sogar nachts anrufen darfst,
weil Dich etwas quält und Dich nicht schlafen lässt.
Wenn Du verstanden wirst ohne zu hinterfragen.
Wenn jemand mit Dir lacht, weil Du glücklich bist.
Wenn jemand mit Dir weint, weil Du traurig bist.
Wenn jemand zu Dir sagt: „Schön, dass es Dich gibt“!

Autor unbekannt

1008_Aug(15) 017_2.1-02

Ich schätze Menschen…

Ich schätze Menschen,
die verletzlich und verwundbar sind,
denn sie besitzen eine Seele
und können andere verstehen.
Ich achte Menschen,
die zu ihrer Meinung stehen
und sich selbst nicht verleugnen,
die aufstehen, wenn sie gefallen sind,
die IHR Leben wirklich leben.
Ich mag Menschen,
die nicht nur Ihr eigenes Ich sehen,
die Dir die Hand reichen
und Dir sagen
schön, dass es Dich gibt
einfach so …
weil Du bist wie Du bist,
und nicht weil sie Dich gerne hätten,
wie sie es wollen.
Und diese Menschen haben
einen Platz in meinem Herzen.

Verfasser/in: unbekannt

Auf diesem Wege danke ich allen Leserinnen und Leser dass es Sie gibt und meinen literarischen Wochenendgrußes mit Freude verfolgen.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Sonntag, 05.06.16 – 15:00 Uhr
Zum fröhlichen Landmann, Kelkheim-Fischbach, Rettershof
Hans Joerg Kampfenkel, der den literarischen Wochenendgruß seit Jahren fotografisch begleitet, stellt eine kleine Auswahl seiner Fotos vor.
Dazu gibt es einen Rückblick auf 5 Jahre literarischen Wochenendgruß mit Texten und Geschichten.
Um Anmeldung wird gebeten.

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30, 65779 Kelkheim
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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