Im Blick haben – Literarischer Wochenendgruß vom 22.04.16

Im Blick haben – Literarischer Wochenendgruß vom 22.04.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am vergangenen Sonntag beim literarischen Frühlings-Spaziergang in Eppstein konnten wir unterwegs immer wieder schöne Blicke genießen. Aussichtspunkte von der Burg auf den Ort oder beim Gang ließen uns unsere Augen und Ohren auf besondere Momente richten. Beim Sehen und Hören der Landschaft, der Umgebung und der Texte wurden neue Eindrücke spürbar.

Die neue Ausgabe mag ebenfalls dazu beitragen, einen neuen Blick zu bekommen.

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Foto: Gerd Taron

Mit lächelnden Augen
Ihr Boten des Frühlings,
wo kommt ihr nur her?
Mit lächelnden Augen aus tiefen Tälern
erscheint ihr wie Elfen im Morgentau.
Osterglocke, welch Grazie
liegt in deiner Erscheinung?
Welch Lächeln in deiner
sonnigen Krone?
Kennst du denn nicht
den Schmerz des Winters?
Den eisigen Wind
beim sanften Erinnern?
Ihr Rufer erwachender Zweige,
woher nehmt ihr den Mut
zum fröhlichen Singen?
Singt ihr von Freiheit
oder von Liebe?
Vom durchlittenen Schmerz oder
vom Weh nach der Lust?
Euer liebreizend Locken
schmiegt sich heilend
an meine Wange,
erzählt von dem,
was paradiesisch kann sein.
Ihr Boten des Frühlings
nach harten Tagen
schenkt mir zurück die Fülle der Farben
und Düfte im zarten Blütengesicht!
Sonne, komm ganz, weich auf meine Erde!
Lass sprießen in mir
seliges Lachen und wonnige Lust!
Ihr Sterne der Frühlingsnächte, küsst mich
auf den wartenden Mund und die heiße Stirn!
Singt mir die Sehnsucht
in den Mund, dass er brenne
für den träumenden Wandrer der Nacht!
Oh Frühling, Geliebter, durchdringe mich ganz
mit deinem Zauber, lass sonnige Heimat mich sein
für alle, die wohnen in mir!

© Lissy Theissen

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Mit alten und neuen
Landschaften
neuen und alten Worten
verlorenen und wiedergefundenen
Freunden
leben
Blicke deuten
Vor dem Abgrund
die Augen nicht schliessen
Sich mit altem zufriedengeben
protestieren
Endlos
von neuem anfangen

(Rose Ausländer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die meisten Menschen wissen gar nicht,
wie schön die Welt ist und wie viel Pracht
in den kleinsten Dingen,
in irgendeiner Blume,
einem Stein,
einer Baumrinde oder einem Birkenblatt sich offenbart.
Die erwachsenen Menschen,
die Geschäfte und Sorgen haben
und sich mit lauter Kleinigkeiten quälen,
verlieren allmählich ganz den Blick für diese Reichtümer,
welche die Kinder, wenn sie aufmerksam und gut sind, bald bemerken und mit dem ganzen Herzen lieben.

(Rainer Maria Rilke)

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Besondere AUGENBLICKE

kann man nicht kaufen.
Es gibt keinen Augenblickshop
und nirgendwo ein Geschäft,
in dem Augenblicke angeboten
werden.
Also kann es augenblicklich
auch keine Sonderangebote geben.
Besondere Augenblicke,
sonderbare Augenblicke passieren.
Nach einem einzigen Blick sind sie vorbei.
Du blickst in die Höhe,
erkennst Deine Liebe, wirfst deinen Blick.
und in nächster Sekunde ist er zurück.
Ein Augenblick ist der Wimpernschlag,
der den Zeitmesser verdammen darf.
Kurz ist der Blick,
aus den Augen und wieder zurück.
Augenblicklich, unwiederbringlich
für Wimpernschlagzeit ausgeliehen,
hingegeben und in gleicher
Sekunde zurückgenommen.

Augenblick – bin sofort zurück!
Lasst es Euch gut gehen…..
und genießt

jeden AUGENBLICK

Autor unbekannt

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillewerden meiner Seele. Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Weite der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch die sanfte Musik der singenden Wasser,
die in meiner Erinnerung lebendig sind.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln,
ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief
in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.

Aus Südafrika

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Ich wünsche Dir,
dass Du Deinen Blick niemals einengen lässt,
weder durch Angst noch durch Vorurteile oder falsche Bescheidenheit.
Dass Du nicht nur siehst,
was Du immer gesehen hast,
oder nur das,
was Du sehen willst.
Dass Du neugierig und interessiert bleibst
und nicht meinst,
alles besser zu wissen.
Ich wünsche Dir,
dass Du die Dinge stets von verschiedenen Seiten betrachtest,
dass Du ungewöhnliche Sichtweisen zulässt
und Dich immer wieder vom Leben überraschen lässt.
Autor unbekannt

Mit diesen Worten wünsche auch ich neue Ein- und Ausblicke an diesem Wochenende.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Einen Artikel aus der Eppsteiner Zeitung vom erwähnten Frühlngs-Spaziergang finden Sie hier:

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Veranstaltungshinweis:
Sonntag, 24.04. ab 15:30 Uhr:
Café Jasmin, Frankfurt-Fechenheim, Alt-Fechenheim 80
Sonntagskaffee – Ohrenschmaus
Alte Frankfurter Geschichten und Gedichte

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