Die Bank – Literarischer Wochenendgruß vom 15.04.16

Die Bank – Literarischer Wochenendgruß vom 15.04.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

von einer treuen Leserin erhielt ich in den vergangenen Tagen dieses Foto:

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Foto: Beatrice Dockenfuß

Das war für mich der Anlass mich über die Bank näher zu beschäftigen. In der letzten Ausgabe erschien bereits eine Geschichte über eine Parkbank und ein sehr schönes Foto von Marina Rupprecht. Einige werden sich wahrscheinlich noch erinnern.

Auf meinen vielen Spaziergängen durch die Natur begegnen mir immer wieder die unterschiedlichsten Bänke. Oft fasziniert mich der Standort oder das besondere Aussehen und somit bekommt jede Bank ihre besondere Bedeutung.

Einige Exemplare stelle ich Ihnen fotografisch vor. Dazu habe ich einige ungewöhnliche Texte ausgewählt, die Sie für eigene Gedanken inspirieren mögen.

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Als Junger habe ich die einsame Bank nachts im Park gesucht zur Zweisamkeit,
im Mittelalter die Bank mit den niedrigsten Bauzinsen, später die Bank mit den besten Guthabenzinsen. Heute suche ich wieder die Parkbank – aber tagsüber zum Ausruhen beim Spazierengehen

© Hermann Lahm
(*1948), Texte in Gedichtform, Prosa, Aphorismen

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Dorten das Haus scheint uns noch immer erfreulich
unser nennen wirs im selben Gedanken,
unser könnte der Weg sein,
unser die Bank;
Rosen des Gartens
Winde der beginnenden Liebe
schlagen das Herz auf
wo es sich nie noch aufschlug
zwischen zwei älteren Seiten.
Rainer Maria Rilke

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Die schönste Blume

Die Parkbank war verlassen, als ich mich dort unter einer alten Weide zum Lesen hinsetzte. Ich war vom Leben enttäuscht und hatte allen Grund, ein säuerliches Gesicht zu machen… irgendwie hatte sich die ganze Welt gegen mich verschworen.
Und als ob es mir nicht schon schlecht genug ginge, kam plötzlich ein Junge auf mich zu, noch ganz außer Atem vom Spielen. Er stellte sich mit gesenktem Kopf vor mich hin und sagte aufgeregt: „Guck mal, was ich gefunden habe!“ In seiner Hand war eine alte, verblühte Blume, ein wirklich erbärmlicher Anblick. Sie hatte offenbar nicht genug Licht oder Regen abbekommen, jedenfalls hingen ihre Blütenblätter alle schlapp herab. Ich lächelte gekünstelt, damit mich der Junge endlich in Ruhe ließ. Aber anstatt zu gehen, setzte er sich neben mich auf die Bank. Er hielt sich die Blume an die Nase und erklärte in gespielter Überraschung: „Die riecht ja ganz gut. Und schön ist sie auch. Deshalb habe ich sie ja auch gepflückt. Hier, sie ist für dich.“

Die Pflanze hatte keinerlei Leben mehr in sich, sie war nur noch ein farbloses Gewächs. Aber mir war klar, dass der Junge nicht eher gehen würde, als bis ich sie angenommen hatte. Also griff ich nach ihr und sagte: „Danke, so etwas hat mir gerade noch gefehlt.“ Aber der Junge hielt die Blume nur weiterhin sinnlos in die Luft. Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass er meine geöffnete Hand nicht sah er war blind. Mit zitternder Stimme bedankte ich mich, dass er die schönste ausgesucht hatte. Und während mir Tränen in die Augen schossen, sagte er: „Keine Ursache“, lächelte und machte sich wieder ans Spielen. Er hatte nicht bemerkt, was er bei mir bewirkt hatte. Ich saß da und fragte mich, wie er es geschafft hatte, eine in Selbstmitleid versunkene Frau auf einer Parkbank zu sehen. Wie wusste er von meiner selbst verursachten Trübsal?

Vielleicht hatte er es im Herzen gespürt, mit dem er mehr sehen konnte als mit den Augen. Durch die Augen eines blinden Kindes konnte ich schließlich sehen, dass nicht die Welt das Problem war, sondern ich. Und so schwor ich mir, für all die vielen Male, da ich selbst blind gewesen war, nun das Schönste im Leben zu sehen und mich über jede Sekunde meines Lebens zu freuen. Dann hielt ich mir die verwelkte Blume an die Nase und atmete den Duft einer wunderschönen Rose ein. Ich musste lächeln, als ich den Jungen sah , der mit einer neuen Blume in der Hand auf einen alten Mann zuging, der noch nichts von seinem Glück ahnte. “
Der Text wurde verfasst von Cheryl L. Costello-Forshey und ist zu finden in „Ein Liebesbrief vom Himmel“

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Ruhe – Bank.

Komm, las uns ein Päuschen machen.
Erzählen über alte Sachen.
Gemeinsam um die Wette lachen.
Ein Gag- Feuer entfachen.
Lass uns haben schöne Stunden.
Verarbeiten manch alte Wunden.
Zweisamkeit, sie wird uns munden.
Harmonische Erinn´rungsrunden.
(Anne M. Pützer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Zwei Linden, eine Ruhebank
Stehn dort auf grüner Höh‘
Und diesen süßen Ort verdank‘
Ich all mein Herzensweh.
Noch glaubt‘ ich hold sie angelehnt
Im Sonnenhute dort;
Ich hab‘ umsonst ihr nachgesehnt,
Verödet bleibt der Ort.
Dem Wanderer, der Pilgerin
Wird Ruhe von der Bank,
Von mir nur will sie künftighin
Nicht mehr der Ruhe Dank.

Karl Mayer

Suchen Sie sich beim nächsten Spaziergang an diesem Wochenende doch ihre persönliche Bank. Eine Bank, die sie mit wohligen Gedanken verbinden. Vielleicht notieren Sie sich dazu etwas und haben eine Kamera für spätere Erinnerungen zur Hand.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Veranstaltungshinweis (vielleicht gibt es ja auch Bänke zu entdecken):

Literarischer Frühlings-Spaziergang in Eppstein im Taunus
Sonntag, 17.04. – 15 Uhr
Treffpunkt: Bahnhof Eppstein
Kostenbeitrag. 5 Euro
An verschiedenen Stationen in der Eppsteiner Altstadt und rund um die Burg präsentiere ich Geschichten und Gedichte rund um den Frühling.
Nach dem Spaziergang besteht die Möglichkeit, im „Burg-Café“ zu verweilen.

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat@gmx.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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