Den Augenblick genießen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.04.16

Den Augenblick genießen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.04.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

unsere schnelllebige Zeit ist voller Eindrücke. Alles fließt an uns in großer Geschwindigkeit vorbei. Wir haben oft keine Zeit mehr, das Leben zu genießen, die schönen Momente wahrzunehmen. Können Sie sich noch in Ihrem Alltag z. B. über ein Lächeln freuen, über die kleinen Schönheiten in der Natur?

Die neue Ausgabe des Wochenendgrußes möge uns wieder bewusst werden für besondere Augenblicke des Lebens.

12924429_984343761641392_1222578501977364745_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Staunen
.
Wir haben das Staunen verlernt.
Staunen
über ein herunter fallendes Blatt,
über das Vogellied vor dem Fensterkreuz.
Über den Magnolienbaum im Mai,
über das Lachen auf einem Kindergesicht.
Über das Pflänzchen zwischen dem
Asphalt, über Regentropfen am
Spinnengewebe, über das Sternenzelt
am nächtlichen Himmel.
.
Etwas sehen
wie beim ersten Mal.
Alles mit Ehrfurcht zu betrachten,
das Unscheinbare entdecken,
in seinen vielen Gestalten.
.
Staunen
ist ein Ort,
an dem ich in die Stille eintauche,
der Raum,
in dem ich zur mir finde,
der Augenblick,
in dem Zeit zur Ewigkeit wird.

Benedikt Werner Traut

12938166_984344768307958_5658059965295853352_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Am Ufer des Augenblicks

Laß uns Zeit nehmen
füreinander.
Laß uns die Böschung
der Vergänglichkeit
mit unvergeßlichen Stunden
und Augenblicken befestigen,
gegen den Strom der Zeit
anschwimmen.
Laß uns verweilen
am Ufer des Augenblicks,
bis unsere Sehnsucht
groß uns stark
genug ist,
daß sie
den langen Weg
ins Meer der Geborgenheit
ohne unterzugehen
schaffen kann.

Ernst Ferstl

0701_Jan3 301_1b-02

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Lerne die Schönheit des Augenblicks
zu genießen, den Flug eines Vogels,
das Brausen des Windes,
das Plätschern einer Quelle,
den geheimnisvollen Halbschatten des
Unterholzes. Werde wie ein Kind mit
seinem Staunen über alle Dinge,
und die Zeit wird stillstehen.
Dann wirst du die ganze Welt durch
deinen eigenen Körper erfahren.

~Suvate, Dog Soldier~

12987144_984344134974688_4174356480368337845_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Die Parkbank

„Die Parkbank war verlassen, als ich mich dort unter einer alten Weide zum Lesen hinsetzte. Ich war vom Leben enttäuscht und hatte allen Grund, ein säuerliches Gesicht zu machen – irgendwie hatte sich die ganze Welt gegen mich verschworen. Und als ob es mir nicht schon schlecht genug ginge, kam plötzlich ein Junge auf mich zu, noch ganz außer Atem vom Spielen. Er stellte sich mit gesenktem Kopf vom mich hin und sagte aufgeregt: „Guck mal, was ich gefunden habe!“

In seiner Hand war eine alte, verblühte Blume, ein wirklich erbärmlicher Anblick. Sie hatte offenbar nicht genug Licht oder Regen abbekommen, jedenfalls hingen ihre Blütenblätter alle schlapp herab. Ich lächelte gekünstelt, damit mich der Junge endlich in Ruhe ließ. Aber anstatt zu gehen, setzte er sich neben mir auf die Bank. Er hielt sich die Blume an die Nase und erklärte in gespielter Überraschung: „Die riecht ja ganz gut. Und schön ist sie auch. Deshalb habe ich sie ja auch gepflückt. Hier sie ist für dich.“
Die Pflanze hatte keinerlei Leben mehr in sich, sie war nur noch ein farbloses Gewächs. Aber mir war klar, dass der Junge nicht eher gehen würde, als bis ich sie angenommen hatte. Also griff ich nach ihr und sagte: „Danke, so etwas hat mir gerade noch gefehlt.“
Aber der Junge hielt die Blume nur weiterhin sinnlos in die Luft. Erst in diesem Moment bemerkte ich, dass er meine geöffnete Hand nicht sah – er war blind.

Mit zitternder Stimme bedankte ich mich, dass er die schönste ausgesucht hatte. Und während mir Tränen in die Augen schossen, sagte er: „Keine Ursache“, lächelte und machte sich wieder ans Spielen. Er hatte nicht bemerkt, was er bei mir bewirkt hatte. Ich saß da und fragte mich, wie er es geschafft hatte, eine in Selbstmitleid versunkene Frau auf einer Parkbank zu sehen. Wie wusste er von meiner selbst verursachten Trübsal? Vielleicht hatte er es im Herzen gespürt, mit dem er mehr sehen konnte als mit den Augen.

Durch die Augen eines blinden Kindes konnte ich schließlich sehen, dass nicht die Welt das Problem war, sondern ich. Und so schwor ich mir, für all die vielen Male, da ich selbst blind gewesen war, nun das Schönste im Leben zu sehen und mich über jede Sekunde meines Lebens zu freuen. Dann hielt ich mir die verwelkte Blume an die Nase und atmete den Duft einer wunderschönen Rose ein. Ich musste lächeln, als ich den Jungen sah, der mit einer neuen Blume in der Hand auf einen alten Mann zuging, der noch nichts von seinem Glück ahnte.“

(Autorin: Cheryl L. Costello-Forshey)

944978_984344821641286_4240704094652277687_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Es kommt im Leben nicht auf die Jahre, sondern auf die gelebten Augenblicke an!

Kerstin Simon

0703_März2 237-02

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Der perfekte Moment.
Da ist dieser Moment,
wo die Welt
zum Standbild wird.
In dem du
mit Ehrfurcht fühlst,
dass die Zeit
für einen Augenblick
still steht.
Du nimmst mit staunenden Augen
und offener Seele
diese Schönheit und Perfektion
der Sekunden
wahr.
Sonnenwärme,
ein Lautklang, ein Flügelschlag,
menschliche Nähe,
ein Gefühl der Liebe.
Speicherst sie
in die positiven Erinnerungen
deines Lebens ab.
Heiliger Moment.

(C) Anne M. Pützer

12932857_984345398307895_4687836666302313693_n

Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Geh deinen Weg – Desiderata

Geh deinen Weg ohne Eile und Hast und
suche den Frieden in dir selbst zu finden.
Wenn es dir möglich ist, versuche den anderen zu verstehen.
Sag ihm die Wahrheit, ruhig und besonnen.
Höre ihm zu, auch wenn er gleichgültig und unwissend ist,
denn auch er hat seine Sorgen.
Wenn du Dich mit all den anderen vergleichst,
wirst du feststellen, du lebst unter Menschen
die entweder größer oder kleiner,
besser oder schlechter sind als du selbst.
Viele Leute reden von hohen Idealen
und überall wird Heldenmut angepriesen.
Bleibe du selber und heuchle nicht Mitgefühl.
Steh der Liebe nicht zynisch gegenüber,
denn sie ist das Einzige,
was wahr und unvergänglich ist.
Bereite dich auf den Augenblick vor,
an dem etwas Unvorhergesehenes in dein Leben tritt,
aber zerstöre dich selbst nicht aus Angst vor der Einsamkeit.
Sei immer so, dass du vor dir selbst bestehen kannst.
Du hast ein Recht auf der Welt zu sein,
genau wie die Blume die blüht
und wie ein Stern in der Nacht.
Doch auf dieser Welt lebst du nicht allein,
hast du schon irgendwann
einmal darüber nachgedacht?
Darum schließe Frieden mit Gott,
wo immer er er dir auch begegnet.
Ganz gleich, was das Leben dir
auch an Schwierigkeiten auferlegt.
Lass nicht durch Lug und Trug
deine Ideale zerbrechen.
Die Welt ist immer noch schön.
Versuche, auf ihr zu leben
und glücklich zu werden “ ༺ಌ༺

Max Ehrmann

Ich wünsche Ihnen, dass Sie an diesem Wochenende wieder neu entdecken, was es bedeutet, besondere Augenblicke zu genießen. Mein persönliches Wochenende wird voraussichtlich viele besondere Momente beinhalten, sei es bei einem Gang durch die schöne Frühlingslandschaft oder durch Begegnungen mit anderen Menschen.

Mit genussvollen Grüßen
Ihr/Euer
Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron, Langstraße

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s