Wer eine Heimat hat – Literarischer Wochenendgruß vom 18.03.16

Wer eine Heimat hat – Literarischer Wochenendgruß vom 18.03.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

in meinem Heimatort Kelkheim im Taunus wurden am vergangenen Wochenende zwei Kunstausstellungen eröffnet, die sich mit einem derzeit sehr aktuellen Thema befassen – Heimat.

Dieses Wort klingt für viele altmodisch, vor allem in unserer heutigen Zeit. Doch viele sehnen sich nach einem Ort, nach Menschen, wo sie sich geborgen, „zu Hause“, fühlen. Menschen nehmen weite Wege auf sich, um diese „Heimat“ zu finden. Wer diese Heimat gefunden hat, ob in der Familie oder im Freundeskreis, an seinem Ort, wo er lebt, kann sich glücklich schätzen.

Am Ende des Wochenendgrußes finden Sie einige Veranstaltungshinweise, die sich auf die oben erwähnten Kunstausstellungen und mehr beziehen.
Ich wünsche Ihnen beim Lesen der Texte und Betrachten der Fotos einen neuen Zugang zur Heimat.

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“Heimat” – Lissy Theissen – http://www.lissy-theissen.de

Heimat

Heimat trägst du
im Herzen.
Sie lässt dich nicht
los. Ist ein
Gefühl der Erde
und ihres Himmels
der Früchte und Feste
der Lieder.
Heimat sind Menschen,
Worte und Zärtlichkeiten.
Heimat ist überall dort,
wo man dich geliebt hat,
wo man dich liebt.
Heimat ist Fernweh und Heimweh,
ist Sehnsucht nach Himmel
über und in dir.

Lissy Theissen

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Ein Haus bei Nacht durch Strauch und Baum
Ein Fenster leise schimmern ließ,
Und dort im unsichtbaren Raum
Ein Flötenspieler stand und blies.
Es war ein Lied so altbekannt,
Es floß so gütig in die Nacht,
Als wäre Heimat jedes Land,
Als wäre jeder Weg vollbracht.
Es war der Welt geheimer Sinn
In seinem Atem offenbart,
Und willig gab das Herz sich hin
Und alle Zeit ward Gegenwart.

Hermann Hesse, Flötenspiel

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

LIED DES LANDMANNS IN DER FREMDE
Traute Heimat meiner Lieben
Sinn ich still an dich zurück
Wird mir wohl: Und dennoch trüben
Sehnsuchtstränen meinen Blick
Stiller Weiler, grün umfangen
von beschirmendem Gesträuch
Kleine Hütte, voll Verlangen
denk ich immer noch an euch
An die Fenster, die mit Reben
einst mein Vater selbst umzog
An den Birnbaum, der daneben
auf das niedre Dach sich bog
An die Stauden, wo ich Meisen
im Holunderkasten fing
An des stillen Weihers Schleusen
wo ich sonntags fischen ging
Was mich dort als Kind erfreute
kommt mir wieder leibhaft vor
Das bekannte Dorfgeläute
widerhallt in meinem Ohr
Selbst des Nachts, in meinen Träumen
schiff ich auf der Heimat See
Schüttle Äpfel von den Bäumen
wäss´re ihrer Wiesen Klee
Lösch´ aus ihres Brunnens Röhren
meinen Durst am schwülen Tag
Pflück im Walde Heidelbeeren
wo ich einst im Schatten lag
Wann erblick ich selbst die Linde
auf den Kirchenplatz gepflanzt
Wo gekühlt im Abendwinde
unsre frohe Jugend tanzt
Wann des Kirchturms Giebelspitze
Halb im Obstbaumwald versteckt
Wo der Storch auf hohem Sitze
Friedlich seine Jungen heckt?
Traute Heimat meiner Väter
Wird bei deines Friedhofs Tür
Nur einst, früher oder später
Auch ein Ruheplätzchen mir.

Johann Gaudenz von Salis-Seewis

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Foto: Marina Rupprecht Fotografie

Zu Hause fühlen
.
Ich fühle mich dort zu Hause,
wo nicht nur meine Worte
gehört werden,
sondern da,
wo auch mein Schweigen
willkommen ist,
und verstanden wird.
.
Da, wo ich auch gefühlt werde,
wo meine Seele
liebevolle Aufnahme findet.
.
Meine Heimat ist da,
wo Herz und Seele
ihre eigene Sprache haben,
wo man sich wortlos
in die Arme nehmen
und von Herz zu Herz
kommunizieren kann.
.
Da, wo du mir in die Augen schaust
und darin mein Innerstes erkennst.
Egal, an welchem Platz der Erde dies ist,
an solchen herzgelebten Orten
fühle ich mich immer zu Hause.
.
(© Erika Flickinger,

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Foto. Marina Rupprecht Fotografie

Ich drücke mein Gesicht an seine dunkle, warme Rinde und spüre Heimat – und bin so unsäglich dankbar in diesem Augenblick.

Sophie Scholl (1921-43)

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Foto: Birgit Sander

Jedes Herz braucht eine Heimat

Jedes Herz braucht einen Hafen, wo es mal vor Anker geht,
wenn der wilde Sturm des Lebens kalt ihm durch die Seele weht

Jedes Herz braucht Regenbogen, die wundervoll am Himmel stehn
und mit hellen bunten Farben, mit ihm durch dunkle Stunden gehn

Jedes Herz braucht einen Stern, der es lenkt und der es führt,
wenn der Lebensweg verwirrend und es dann kein Ziel mehr spürt

Jedes Herz braucht auch noch Träume und Flügel,
die sie ihm verleihn,
um ein wenig zu entspannen und für sich allein zu sein.

Jedes Herz soll auch mal lachen, denn das Lachen es befreit,
von den Sorgen unseres Alltags und den Ängsten unserer Zeit.

Jedes Herz braucht manchmal Sonne, wenn die Nächte einsam kalt,
denn ein Herz das ohne Sonne, wird zu schnell dann krank und alt

Jedes Herz braucht gute Freunde, weil es sonst verloren geht,
wenn nicht in schicksalhaften Stunden,
ihm ein Freund zur Seite steht.

Jedes Herz braucht auch mal Liebe, die es warm hält und beschützt,
denn die Welt ist voll Probleme und ein wenig Liebe schützt.

Jedes Herz braucht eine Heimat, wo es ganz zuhause ist
und man ihm den Schmerz und Kummer,
von den trüben Augen liest.

Jedes Herz braucht diese Heimat, weil es sonst nicht leben kann
und voll Einsamkeit und Trauer, sich dann aufgibt irgendwann.

© by Mchen HB
Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Heimat finden, in Ihrer Familie oder Freundeskreis oder an für Sie besonderen Orten.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Veranstaltungshinweise.
Ausstellung „Heimat“ im Kunstraum 44 in Kelkheim im Taunus, Breslauer Str. 44, vom 13.03. bis 03.04.16 mit den ausstellenden Künstlern Doris Brunner, Uta Franck, Viktoria Heinz-Auth, Barbara Heier-Rainer, Hans Uwe Hoffmann, Auri Neurath, Marlies Pufahl, Annita Romano, Lissy Theissen – Öffnungszeiten: Do und Sa 15 – 18 Uhr / So 11 – 18 Uhr

dazu folgende Veranstaltungen

Dienstag, 22.03. – 19 Uhr – „Wer eine Heimat hat …“ Historisch-kulturelle Betrachtungen über Heimst, Fremde und Identität, vorgetragen von Rüdiger Kraatz vom Museum Kelkheim
Sonntag, 03.04 – 11 Uhr – Lesung der Kelkheimer Autorengruppe zum Thema Flucht, begleitet von Paul Pfeffer, Saxophon
Ausstellung „Gesichter einer Stadt“ in der Alten Kirche Kelkheim-Hornau

Die Ausstellung „Gesichter einer Stadt“ ist noch bis zum 27. März geöffnet. Die Öffnungszeiten sind freitags von 14 bis 18.30 Uhr; samstags und sonntags jeweils von 11 bis 18.30 Uhr.
Lesungen mit dem Kelkheimer Autor Thomas Berger jeweils Samstag 19.03. und 26.03.um 16 Uhr

Eigene Veranstaltungen:
Literarische Frühlings-Spaziergänge – Der Frühling ist da!
Samstag, 19.03. – 15 Uhr – Frankfurt-Fechenheim am Main-Ufer
Treffpunkt: Café Jasmin, Alt-Fechenheim 80, Frankfurt-Fechenheim
Sonntag, 20.03. – 15 Uhr – Kelkheim-Fischbach-Rettershof
Treffpunkt: Unter der Linde am Rettershof
Kostenbeitrag jeweils 5 Euro

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30. 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 06195-676696
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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Ein Kommentar zu “Wer eine Heimat hat – Literarischer Wochenendgruß vom 18.03.16

  1. Marina's illustrationen sagt:

    Hat dies auf Marina Rupprecht Fotografie und Literarisches rebloggt und kommentierte:
    Wunderbare HEIMAT

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