Wiedersehen macht Freude – Literarischer Wochenendgruß vom 22.01.16

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

eine besonders begegnungsreiche Woche seit dem letzten Erscheinen des Wochenendgrußes liegt hinter mir. Ob es daran lag, dass ich ausgerechnet in dieser Woche wieder in ein neues Lebensjahr begehen durfte?
Nach 30 Jahren trafen sich am vergangenen Freitag mein Freund und der Inhaber der Buchhandlung Shakespeare und So, Cliff Kilian, wieder.

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In der Buchhandlung Shakespeare und So in Mainz– Foto: Gerd Taron

So viele Jahre waren vergangen als Cliff Kilian (im Bild oben links), der heute gemeinsam mit seiner Frau Nida die Buchhandlung Shakespeare und So in Mainz führt, und meinen Freund sich wieder begegneten. Damals war Cliff Kilian Kellner-Lehrling im Hotel Rose in Wiesbaden und mein Freund wachte als Nachtportier. Das Hotel Rose gibt es nicht mehr. Heute befindet sich dort die Hessische Staatskanzlei.

In den darauffolgenden Tagen erlebte ich selbst unverhoffte Begegnungen und Wiedersehen. Nach langer Zeit traf ich eine ehemalige Nachbarin, einen Tag später im Zug zu einem Wandertreff eine begeisterte Leserin dieses Wochenendgrußes.
Gemeinsam bei all diesen Begegnungen war, dass sich im Moment der Begegnung sofort wieder ein Gefühl der Vertrautheit einstellte.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Nicht eine einzige all unserer unzähligen Begegnungen während unseres ganzen Lebens ist Zufall, im Gegenteil: sie fällt einem zu !!!
Den tieferen Sinn dahinter gilt es zu erkennen.
Manches löst sich sofort, anderes bedarf vieler Jahre,
um den Grund des gemeinsamen Weges zu erfahren…

Elfi Egger

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Schwanenfamilie in Frankfurt-Fechenheim – Foto: Gerd Taron

Die schönsten Begegnungen,
die berührendsten Augenblicke,
die vielsagendsten Momente
sind Fundstücke des Alltags,
unverhofft,
mitten
ins
Herz
Anja Schindler

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Arthur-Weinberg-Steg in Frankfurt-Fechenheim – Foto: Gerd Taron

Zerbrochenheit
Es gibt den Brauch unter Freunden,
am Ende eines Mahles
ein Tongefäß zu zerbrechen
wenn man weiß, dass man einander
eine lange Zeit nicht wiedersehen wird.
Der Gastgeber gibt dem Gast eine Scherbe
und behält selbst eine.
Später, wenn sie einander wieder begegnen,
erkennen sie einander
weil sie die beiden Scherben
ineinander passen können.
Sie wurden all die Jahre zusammengehalten
durch die Zerbrochenheit,
die sie miteinander teilten,
wie einen Schatz.

Ulrich Schaffer

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

LIEBE.

Sie hatte ihn erst einmal getroffen, einen zwei Jahre jüngeren, durch seine Arbeit, rückengeplagten, grauhaarigen Mann. Er war bei ihrem Date ein wenig ruppig und das Niveau seiner Konversation ließ zu wünschen übrig. Sie merkte ihm an, dass er keinen positiven Umgang mit Frauen kannte. Als sie im Café saßen und sie offen über Liebe und Sex sprach, war ihm das peinlich. Er wurde rot und genierte sich in ihrer Gesellschaft vor den anderen Gästen. Bei ihrem anschließenden Spaziergang suchte er aber dann Körperkontakt und packte sie spielerisch an die Hüfte und wollte gar einen Kuss von ihr. Ach, so einer war das! Erst scheinheilig schüchtern tun, aber dann gleich anfassen wollen! Nein, nicht mit ihr. Solche Männer kannte sie zur Genüge und es widerte sie an.

Als sie sich verabschiedeten, war ihr klar, dass sie ihn nicht wiedersehen wollte. Trotzdem blieben sie über den Partnerchat in losem Kontakt. Sie schrieben sich ab und zu, zogen sich gegenseitig auf, ärgerten sich über Äußerungen, unterstellten sich Kontrollzwang und Eifersucht, wenn sie sich gegenseitig auf ihren Profilseiten besuchten und an schlechten Tagen blockierten sie sich gegenseitig. Sie benahmen sich wie Kinder im Kindergarten, die sich zankten und vertrugen. Länger als ein paar Tage hielten sie es nicht ohne Kontakt zueinander aus.

Sie war ganz erschrocken, als sie eines Nachts feststellte, dass sie an ihn denken musste. Ja, sie träumte auf einmal davon, in seinen Armen zu liegen, ihn zu spüren. Oh, mein Gott, doch nicht diesen hässlichen, ungeschliffenen, beleidigenden Mann? Sie schüttelte sich, aber sie konnte nichts dagegen machen. Nacht für Nacht träumte sie von ihm.

Weitere Treffen wurden dann geplant, die aber wegen der weiten Entfernung, seiner Arbeit und wegen Krankheit nicht zustande kamen.
Er schreib ihr oft, dass er Sehnsucht nach ihr habe und irgendwann hörte sie auf, ihn deswegen in die „Der-will-nur-Sex-„- Schublade zu stecken. Ihre Gefühle für ihn hatten sich schon längst in Richtung Romantik verändert und sie wollte ihn nur zu gern mal wiedersehen.
Acht Monate vergingen und es wurde Frühling.
Dann, an einem sonnigen Sonntag im April, trafen sie sich wieder. Beide waren sehr aufgeregt und ihre Herzen schlugen bis zum Hals. Sie sah ihn vor sich und empfand ihn nur ein bisschen schöner als damals, aber als sie in seine warmen, grauen Augen sah und dort die gleiche Sehnsucht und Verletzlichkeit sah, die sie empfand, wusste sie sofort, dass sie ihn liebte. Er umarmte sie voller Behutsamkeit, wie etwas sehr Kostbares, dass er nicht zerstören wollte, und war sanft und einfühlsam. Noch nie war er geliebt worden, aber in diesem Augenblick ließ ihn diese Frau alle Bitterkeit verlieren.
Und beide wussten, sie würden sich eine Chance geben.

Anne M. Pützer

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Es gibt so viele schöne Begegnungen
und alle sind auf Ihre Art mit nichts
auf der Welt zu bezahlen.
(unbekannt)

Ein erlebnisreiches Wochenende mit vielen wundersamen Begegnungen .wünscht allen Lesern
Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: Die Geschichte des Wiedersehens nach 30 Jahren können Sie hier nachlesen:
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2016/01/19/nach-30-jahren-eine-wundersames-buchhandlung-shakespeare-und-so-in-mainz/

Kontaktdaten:
Gerd Taron
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0)6195-3676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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