Fast perfekt – Literarischer Wochenendgruß vom 15.01.16

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

sind Sie perfekt oder nur fast? Was treibt Ihr Leben an? Wovon lassen Sie sich motivieren? Am vergangenen Montag zeigte die ARD einen Dokumentarfilm mit Anke Engelke unter dem Titel „Fast perfekt“. Es war aufschlussreich zu sehen, wie Menschen versuchen Ihr Leben perfekter zu machen, zu „optimieren“.

Um besser, um perfekter zu werden, soll uns die Technik mit ihren vielfältigen Möglichkeiten unterstützen, „helfen“.

Aber ich frage mich, muss das sein? Ist es notwendig, mich ständig mit anderen zu vergleichen, um „besser“ oder „perfekter“ zu werden? Es wird immer andere Menschen geben, die bessere Messwerte, bessere Leistungen auf diversen Gebieten erreichen. Wer oder was bestimmt mein Leben? Wovon lassen Sie sich bestimmen?

Ist das Streben nach Perfektion für mich wirklich gut? Hebt das mein Selbstwertgefühl? Kann ich mich selbst annehmen, so wie ich bin?
Ich freue mich im künstlerischen Bereich, sei es Literatur, Musik, Kunst sehr schöne Aufführungen zu erleben, die perfekt erscheinen. Wenn einem Akteur dabei ein „Fehler“ unterläuft, macht das ihn aus meiner Sicht „menschlich“.

Meine eigene Lebenserfahrung hat mir gezeigt, dass sich selbst annehmen mit allen Stärken und Schwächen der gesündeste Weg ist, um ein zufriedenes Leben zu führen. Ich bin nicht perfekt und das ist gut so!

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Ich habe die Geduld für bestimmte Dinge nicht mehr,
nicht weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach,
weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe,
wo ich meine Zeit nicht mehr mit Dingen verschwenden will,
die mir missfallen oder weh tun.
Ich habe keine Geduld für Zynismus,
übertriebene Kritik und Forderungen jeder Art.
Ich verlor den Willen, die zu mögen,
die mich nicht mögen,
die zu lieben, die mich nicht lieben,
und die anzulächeln, die mich nicht anlächeln möchten.
Ich verbringe keine einzige Minute mit denjenigen,
die lügen oder manipulieren.
Ich beschloss, nicht mehr mit Verstellung, Heuchelei,
Unehrlichkeit und billig Lob zu koexistieren.
Ich bin nicht fähig selektive Gelehrsamkeit
und akademische Arroganz zu akzeptieren.
Ich hasse Konflikte und Vergleiche.
Ich glaube an eine Welt der Gegensätze,
und das ist der Grund, warum ich Menschen
mit starr und unflexiblen Persönlichkeiten vermeide.
In der Freundschaft mag ich
den Mangel an Loyalität und Verrat nicht.
Ich verstehe mich nicht mit denen,
die nicht wissen, wie man ein Kompliment
oder ein Wort der Ermutigung spricht.
Übertreibungen langweilen mich
und ich habe Schwierigkeiten mit der Annahme derjenigen,
die Tiere nicht mögen.
Und ich habe keine Geduld für alle,
die meine Geduld nicht verdient haben.

Nach Meryl Streep,

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Wer alles perfekt haben
und stets perfekt sein will,
wird perfekt unglücklich.
Walter Ludin

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Foto. Gerd Taron

Das perfekte Herz

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: „Nun, dein Herz ist nicht annähernd so schön, wie meines.“ Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.
Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken…Genau gesagt, waren an einigen Stellen tiefe Furchen, in denen ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an und dachten: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner?

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: „Du musst scherzen“, sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.“

„Ja“, sagte der alte Mann, „deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau passen, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.
Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit
die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen fort, Seite an Seite.

Text: Weise Geschichten
als Video:http://youtu.be/w2jcp1nJC60

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Eine der häufigsten Ängste in der westlichen Welt
ist die Angst, nicht gut genug zu sein.
Perfektion ist zum Ziel unseres Lebens geworden.
Nach Perfektion zu streben,
ist aber eigentlich
ein Buhlen um Anerkennung.
Wir wollen, dass uns Autoritäten,
die wir für klug oder besonders halten, loben.
Wir klammern uns an das,
was wir zu brauchen glauben
und machen uns damit abhängig von Menschen,
Dingen, Orten – im Prinzip von allem,
was für uns Sicherheit symbolisiert.
Wir denken, wir seien sicher,
wenn wir einen guten Job haben,
eine gute Beziehung führen
oder populär sind.
Tatsächlich aber machen wir uns abhängig.
Denn diese Art von Sicherheit ist zeitlich begrenzt.
Wenn wir unser Glück darüber definieren,
werden wir zwangsläufig enttäuscht.
Wir müssen lernen, unsere Wünsche loszulassen
und darauf zu vertrauen, dass das,
was geschieht, richtig ist.

Phyllis Krystal

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Perfektionismus schadet der Kreativität. Ein kreativer Geist braucht Freiraum, Spaß und Gestaltungsspielräume. Lege Deine persönliche Messlatte nicht zu hoch und genieße Deine Schaffenskraft.

Monika Bylitza

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Ich wünsche Ihnen ein fast perfekt erholsames Wochenende. Genießen Sie die schönen Seiten des Lebens.

Ihr/Euer
Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49(0) 6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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