Zeit der Ernte – Literarischer Wochenendgruß vom 09.10.15

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

am vergangenen Wochenende feierten die christlichen Kirchen das Erntedankfest. Hier bei uns findet am Sonntag das traditionelle Erntedank- und Handwerkerfest auf dem Rettershof im Taunus statt.

Jetzt ist wieder die Zeit gekommen, sich darauf zu besinnen, wie wir in diesem Jahr beschenkt wurden. Danke den Menschen zu sagen, die dafür gesorgt haben, dass wir über genügend und eine vielfältige Auswahl an Nahrungsmitteln verfügen dürfen.

Dies gilt für mich im zwischenmenschlichen Bereich. Ich sage und schreibe ein Dankeschön für alle Begegnungen – für die, die wieder neu aufgelebt sind, für die, die sich vertieft haben.

Danken möchte ich Hans Joerg Kampfenkel und Marina Rupprecht, die mit ihren wunderschönen Erntedank-Fotos den-Wochenendgruß bereichern.

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Erntefest

Wagen auf Wagen schwankte herein,
Scheune und Böden wurden zu klein:
Danket dem Herrn und preist seine Macht,
glücklich ist wieder die Ernte vollbracht.

Hoch auf der Fichte flattert der Kranz,
Geigen und Brummbaß laden zum Tanz;
leicht wird das Leben trotz Mühe und Plag,
krönet die Arbeit ein festlicher Tag.

Seht ihr der Kinder fröhliche Schar,
blühende Wangen, goldlockiges Haar?
hört ihr sie jubeln? O liebliches Los,
fällt ihnen reif doch die Frucht in den Schoß!

Wir aber furchen, den Pflug in der Hand,
morgen geschäftig aufs neue das Land;
ewig ja reiht, nach des Ewigen Rat,
Saat sich an Ernte und Ernte an Saat.

Julius Sturm

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Gebt den Kindern die Welt für einen Tag nur
wie einen bunten Luftballon gebt ihnen die Welt zum Spielen
singend und tanzend zwischen den Sternen
gebt den Kindern die Welt
groß wie einen Apfel warm wie ein Laib Brot
für einen Tag damit sie satt werden
gebt den Kindern die Welt
dass die Welt Freundschaft lernt für einen Tag nur
die Kinder werden uns die Welt aus den Händen nehmen
und unsterbliche Bäume pflanzen
(Nazım Hikmet)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Apfellese

Das ist ein reicher Segen
In Gärten und an Wegen!
Die Bäume brechen fast.
Wie voll doch Alles hanget!
Wie lieblich schwebt und pranget
Der Äpfel goldne Last!

Jetzt auf den Baum gestiegen!
Laßt uns die Zweige biegen,
Daß Jedes pflücken kann!
Wie hoch die Äpfel hangen,
Wir holen sie mit Stangen
Und Haken all‘ heran.

Und ist das Werk vollendet,
So wird auch uns gespendet
Ein Lohn für unsern Fleiß.
Dann zieh‘n wir fort und bringen
Die Äpfel heim und singen
Dem Herbste Lob und Preis.

August Hoffmann von Fallersleben

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

Erde, die uns dies gebracht

Erde, die uns dies gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde.
Wir haben volle Teller
und voll sind Scheune und Keller,
wir leiden keine Not.
Gesichert ist das Brot,
die Äpfel sind knallrot
und auch der süße Wein
lief rein ins Fass hinein.
Die Ernt‘ ist geborgen,
wir haben keine Sorgen,
drum sei heut Dank gebracht,
Sonne, die es reif gemacht.
Liebe Sonne, liebe Erde,
euer nie vergessen werde !

Christian Morgenstern

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Foto: Wonderful photoArt by Marina Rupprecht

ERNTE-GEDANKEN

Wenn ich danke
für meine reiche Ernte- dann möchte ich auch daran denken,
dass jede Sekunde auf unserer Erde
ein kleines Kind an Hunger zugrunde geht.

Wenn ich danke
für meinen Arbeitsplatz- dann möchte ich auch an die denken,
die vor dem Arbeitsamt Schlange stehen.

Wenn ich danke
für meine Gesundheit- dann möchte ich auch an die denken,
die mit der Diagnose „Unheilbar“
auf ihren Tod warten.

Wenn ich danke
für meinen Erfolg und meine Kraft- dann möchte ich auch an die denken,
die keine Chance haben,
die die Verzweiflung zu Alkohol und Drogen treibt,
weil vielleicht gerade ich kein offenes Ohr
für sie hatte.

Wenn ich danke
für mein ruhiges Gewissen- dann möchte ich auch an die denken,
die ich aus Selbstgefälligkeit gar nicht mehr sehe

Weil Danken von Denken kommt

Autor unbekannt

Ich wünsche Ihnen ein Wochenende voller Dankbarkeit, für alles was Ihnen widerfahren ist.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Hinweis:

Wer einige der Texte einmal persönlich hören möchte, ist herzlich eingeladen, am

Sonntag, 11.10. um 13 Uhr bei einem literarischen Spaziergang am Rettershof im Taunus dabei zu sein. Wir treffen uns dort unter der Linde. Der Spaziergang findet im Rahmen des Erntedank- und Handwerkerfest statt.

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30
65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0) 6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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