Von der Berufung – was bin ich? – Literarischer Wochenendgruß vom 11.09.15

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

einige von Ihnen werden sich noch an das heitere Beruferaten mit Robert Lembke „Was bin ich?“ erinnern.

Vor einigen Tagen hatte ich das Vergnügen einen interessanten und spannenden Vortrag des Lokalhistorikers Hermann Groß in der Stadtbibliothek Königstein zu erleben. Unter dem Thema „Berufe und Tätigkeiten in früheren Zeiten aus der Region“ stellte er Berufe vor, die es vor Zeiten einmal gab. Manche hielten sich noch bis in die Nachkriegszeit, andere sind der modernen Technik gewichen.

Wussten Sie, was zum Beispiel ein Auslaufer oder Ausscheller war? Als es noch kein Internet oder Fernsehen gab, hatte der „Auslaufer“ die Aufgabe eines Boten. Ein „Ausscheller“ war der Mann (Frauen damals dafür nicht vorgesehen), der Nachrichten im Ort an einer zentralen Stelle veröffentlichte. Eine sehr wichtige Aufgabe hatte auch der „Türmer“, der bei Gefahren die Sturmglocke läutete oder bei Bränden per Signalflagge den richtigen Weg zur Feuerstelle wies. Heute gibt es ja das Navi. Das soll meines Wissens auch nicht immer so ganz zuverlässig sein ..

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Beim Erntedank- und Handwerkermarkt auf dem Rettershof im Taunus – Foto: Gerd Taron

Dabei wurde mir klar, wie sehr man in früheren Zeiten aufeinander angewiesen war durch seinen speziellen Beruf, den vor allem der Mann oder die Frau ausübte.
Beruf ist auch eine „Berufung‘“. Eine Tätigkeit, eine Aufgabe die mein Leben erfüllt und die meinen Fähigkeiten und Begabung entspricht. Idealerweise kann man damit seinen Lebensunterhalt bestreiten.
All das gilt auch heute und besonders in unserer modernen Zeit, wo sich die Arbeitswelt radikal verändert.

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Am Hof Gimbach im Taunus (Kelkheim) – Foto. Gerd Taron

Von der Genügsamkeit und einer Begegnung

Auf meiner „Geschichtenwanderung 2010“ in der Nähe von Mühlhausen saß ein Geschäftsreisender frühmorgens in der Pension an meinem Tisch. Wir unterhielten uns und er war erstaunt, dass ich erstens den Beruf einer Geschichtenerzählerin habe und dann auch noch wie in alter Zeit auf die Wanderschaft gehe. „Aber Sie müssen doch von irgendetwas leben!“ platzte er heraus.

Ich antwortete: „Irgendwann will ich mal davon leben …“ und dann erläuterte ich noch, dass ich ja einen „zweiten Beruf als Trainerin und Beraterin“ habe und Seminare gebe.

Später habe ich festgestellt, ich war wieder einmal in eine „Denk- und Rechtfertigungsfalle“ geraten. Mir wurde im Nachdenken über diese Situation … und wenn man einfach nur alleine wandert auf einsamen Wegen, dann hat man viel Zeit, nachzudenken … klar:

* Ich habe gar keine zwei Berufe … es gibt für mich nur noch einen einzigen, den der „Erzählkünstlerin“. Das ist das, was ich wirklich machen will und auch tue. Diese Tätigkeit findet sich ganz einfach in der anderen wieder … in meinen Workshops und Coachings tue ich nichts anderes.

* Ich LEBE doch schon davon … Ich habe zwar kein dickes Konto, aber es hat bisher immer gereicht, um alle Ausgaben zu decken … ich lebe nicht in Armut … ich kann stolz auf meine Kinder sehen, bei denen zwar auch nicht alles einfach gelaufen ist … ich kann mich angemessen kleiden und ernähren … ich fühle mich wohl.

Und bestätigt wurde mir das dann einige Kilometer weiter von einer alten Frau, die mich in einem Dorf einfach ansprach. Wir unterhielten uns einige Zeit angeregt im leichten Nieselregen und am Ende sagte sie:

„Wissen Sie, mir ging es heute morgen eigentlich gar nicht gut. Ich fühlte mich krank und elend. Aber ich musste ja mit dem Hund raus. Und ich bin sehr froh, dass ich Sie angesprochen habe. Ich bin froh, dass wir uns so unterhalten haben …“ und dann strahlte sie und fügte hinzu: „Sie haben mich richtig glücklich gemacht!“

Für dieses Lächeln gibt es keinen Betrag auf meinem Konto! (*)

Walburga Kliem – Geschichtenerzählerin
Mehr Informationen unter http://www.meine-lichtblicke.de/

Wahrer Beruf für den Menschen ist nur, zu sich selbst zu kommen.
Hermann Hesse (1877-1962), dt. Dichter, 1946 Nobelpr. f. Lit.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

„Und noch etwas ist wichtig, wenn man Neuland betritt: Neugierde. Man muss das neue Land, den neuen Beruf, die neuen Nachbarn kennenlernen wollen. Das geht nicht ohne eine gewisse Extrovertiertheit. Nur wer aus seiner Isolation heraustreten kann, Hürden überwindet, bereit ist an fremden Türen zu klingeln, sich vorzustellen und Kontakt aufzunehmen, wird vom Neuland profitieren können.“
Aus dem Buch „Meine Reise zum Leben“ von Rainer Wälde

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Foto: In Kroatien

Du wirst keine Meere entdecken,
solange du nicht dem Mut hast,
die Küste aus den Augen zu verlieren.
Verfasser unbekannt

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Berufung gefunden haben oder finden werden.
Gehen Sie auf eine Entdeckungsreise, es lohnt sich!

Ihr/Euer
Gerd Taron

Ein Hinweis
Von einer besonderen Lesung am vergangenen Sonntag im Neufvilleturm in Eppstein im Taunus finden Sie hier einen Bericht:
https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2015/09/09/perspektiven-wechsel-aus-liebe-zum-meer/

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30
65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0)6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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