Leben in der Wattegesellschaft – Literarischer Wochenendgruß vom 31.07.15

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

vor kurzem las ich in der Juli-Ausgabe des christlichen Magazins „Chrismon“ einen sehr interessanten Artikel über die „Wattegesellschaft“. Darin beschreibt die Journalistin Silke Burmester, unter anderem, dass man (besser wohl Mann/Frau) heute nicht mehr die Dinge beim Namen nennt. Wir werden zu einer „Vorsichtsgesellschaft“. Keinem zu nahe zu treten, weil es ja eventuell den anderen verletzen könnte.

Mir ist das in das vergangenen Wochen bei Reaktionen auf einigen meiner Texten ähnlich ergangen. Da schrieb ich z. B. in einem Beitrag, dass ein Gebäude von einem …. Unternehmer übernommen wurde und habe dabei die Nationalität genannt. Mir wurde „empfohlen“ diese angeblich diskriminierende Herkunftsbezeichnung wegzulassen.

Ein anderes Beispiel: Aus einem alten Buch aus dem Jahre 1931 habe ich Original-Passagen über das „Dicksein“ zitiert. Ich empfand die Wortwahl aus der damaligen Zeit „beruhigend“, weil sie positiv gemeint war vor allem hinsichtlich der „vollen Formen“. So steht es in dem Buch. Aber diese Erwähnung missfiel offensichtlich.

In den heutigen Zeiten soll nach Wunsch einiger (oder vieler?) alles geschlechtsneutral bezeichnet werden. Das ist fast so, als ob es keine Nur-Männer oder Nur-Frauen mehr geben dürfte. Wertfreie Begriffe werden umgedeutet, meist in negativer Hinsicht.

Damit soll es an dieser Stelle genügen. Ein paar Zitate seien als Gedankenanstöße hier weitergegeben.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Das Glück innerer Freiheit
.
Ich will nie wieder
etwas machen,
mich keinem Leistungsdruck
mehr unterwerfen,
nur um vor denen zu bestehen,
die völlig anders begabt sind
als ich.
.
Zu meiner eigenen Sprache
möchte ich finden
und darin spüren:
In der Treue zu mir selbst
bin ich frei.
.
Christa Spilling-Nöker

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Menschen haben, wie es scheint, die Sprache nicht empfangen, um die Gedanken zu verbergen, sondern um zu verbergen, daß sie keine Gedanken haben.
Søren Kierkegaard (1813-55), dän. Theologe u. Philosoph

Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Mitteilungsmöglichkeit des Menschen ist gewaltig, doch das meiste, was er sagt, ist hohl und falsch. Die Sprache der Tiere ist begrenzt, aber was sie damit zum Ausdruck bringen, ist wichtig und nützlich. Jede kleine Ehrlichkeit ist besser als eine große Lüge.

Leonardo da Vinci (1452-1519), ital. Universalkünstler

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Am unverständlichsten reden die Leute daher, denen die Sprache zu nichts anderem dient, als sich verständlich zu machen.

Karl Kraus (1874-1936), östr. Kritiker, Satiriker, Essayist u. Dramatiker

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wenn Blumen sprächen,
wären es Worte voller Klarheit und Aufrichtigkeit,
die mein Ohr erreichten.
Ganz ohne Bewertung, Sarkasmus. und Klatsch.

So will ich mich also mit einer Blume unterhalten.

Anne M. Pützer

Ich wünsche Ihnen und mir den Mut, mit unserer Sprache angenehmes und unangenehmes ausdrücken zu dürfen. Eine positive offene Auseinandersetzung und Austausch ist die Grundlage einer guten menschlichen Kommunikation.

Allen denen, die jetzt ihren Urlaub genießen, wünsche ich erholsame Tage – allen anderen genügend Zeit für Stunden der Muße.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30
65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0) 6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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