Die Macht der Zahlen – Literarischer Wochenendgruß vom 24.07.15

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

wenn ich die Medien verfolge, sei es Presse, Funk oder Fernsehen – immer bin ich umgeben von Zahlen. Ein Land bekommt einen neuen Kredit von vielen Milliarden. Eine Marktforschung ermittelt, welche Sendung von wie vielen Zuschauern gesehen wurde.

Überall Umfragen und Studien jeder Art, die mir sagen sollen, was ich glauben soll und was angeblich gut für mich ist.

Aber wie zuverlässig sind diese Erhebungen, die Zahlen, die Statistiken? Wird nicht oft etwas „schöngerechnet“?

Andererseits geben Zahlen Strukturen. Sie können eine Hilfe sein, etwas zu vergleichen. Die Maßeinheiten, die Zeit – sie basieren auf ein Übereinkommen, um die Welt für uns erfassbarer zu machen.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«
Aus: Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry

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Schafherde bei Flörsheim – Foto: Gerd Taron

Ich wundere mich, dass man für Träume noch nicht zahlen muss. Träume sind ja eine Art Fernsehen im Schlaf.
Alberto Sordi (*1920), ital. Filmkomiker

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Innenhof Abtei St. Hildegard in Rüdesheim
Foto: Wonderful photoART – by Marina Rupprecht

Wenn man die Weltbevölkerung auf ein 100 Seelen zählendes Dorf reduzieren könnte und dabei die Proportionen aller auf der Erde lebenden Völker beibehalten würde, wäre dieses Dorf folgendermaßen zusammengesetzt:

57 Asiaten,
21 Europäer,
14 Amerikaner (Nord-, Zentral- und Südamerikaner),
8 Afrikaner.

Es gäbe:
52 Frauen und 48 Männer,
30 Weiße und 70 Nicht-Weiße,
30 Christen und 70 Nicht-Christen,
89 Heterosexuelle und 11 Homosexuelle.

6 Personen besäßen 59% des gesamten Reichtums, und alle 6 kämen aus den USA,
80 lebten in maroden Häusern,
70 wären Analphabeten,
50 würden an Unterernährung leiden.
1 Person wäre dabei, zu sterben,
1 stünde kurz vor der Geburt,
1 besäße einen Computer,
1 (ja, nur eine) hätte einen Universitätsabschluss.

Wenn du heute Morgen aufgestanden bist und eher gesund als krank warst, hast du ein besseres Los gezogen als die Millionen Menschen, die nächste Woche nicht mehr erleben werden.
Wenn du noch nie in der Gefahr einer Schlacht, in der Einsamkeit der Gefangenschaft, im Todeskampf der Folter oder im Schraubstock des Hungers warst, geht es dir besser als 500 Millionen Menschen.

Wenn du zur Kirche gehen kannst, ohne Angst haben zu müssen bedroht, gefoltert oder getötet zu werden, hast du mehr Glück als 3 Milliarden Menschen.

Wenn du Essen im Kühlschrank, Kleider am Leib, ein Dach über dem Kopf und einen Platz zum Schlafen hast, bist du reicher als 75% der Menschen dieser Erde.

Wenn du Geld auf der Bank, in deinem Portemonnaie und im Sparschwein hast, gehörst du zu den privilegiertesten 8% dieser Welt.

Wenn deine Eltern noch leben und noch verheiratet sind, bist du schon wahrlich eine Rarität.

Wenn du diese Seite lesen kannst, bist du ebenfalls gesegnet, weil du nicht zu den zwei Milliarden Menschen gehörst, die nicht lesen können.

(Diese Gedanken basieren auf Berechnungen von Dr. Philip Harter von der Medizinischen Fakultät der Stanford-Universität, Kalifornien.)

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Foto: Wonderful photoART – by Marina Rupprecht

Das Wissen um Phänomene, die sich einer statistischen Erfassung entziehen, macht gelassen gegenüber falschen Sorgen über die Allmacht der Zahlen oder gar der Zahlensammler.
Edzard Reuter (*1928), dt. Topmanager, 1987-95 Vorstandsvors., 1995-96 AR-Mitgl. Daimler-Benz AG

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Die Wendeltreppe – Krimibuchhandlung und Antiquariat in Frankfurt-Sachsenhausen
Foto: Wonderful photoART – by Marina Rupprecht

Bibliotheken rechnen sich nicht, aber sie zahlen sich aus.
Unbekannt

An diesem Wochenende beginnen in Hessen die Schulferien. Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Ferienzeit genießen können. Der Wochenendgruß macht keinen Urlaub, sondern erscheint am kommenden Freitag wieder.

Ihr/Euer
Gerd Taron
Zwei Veranstaltungshinweise in eigener Sache:
Samstag, 25.07.15 – 16:00 Uhr – nur bei schönem Wetter

Literarischer Stadt-Spaziergang in Kelkheim im Taunus
Stille Orte in einer lebendigen Stadt

Treffpunkt: Viola’s Bücherwurm, Bahnstraße 13, Kelkheim
Kostenbeitrag: 5 Euro

Sonntag, 26.07.2015 – ab 15:30 Uhr – Literarischer Nachmittag bei Kaffee und Kuchen im Café-Lounge Jasmin in Frankfurt-Fechenheim, Alt-Fechenheim 80
Es war einmal – Fundstücke aus alten Büchern
Aus alten Büchern präsentiere ich originelle und originale Passagen über Themen, die die Menschen damals und auch heute beschäftigen.

Kontakt:
Gerd Taron
Langstraße 30
65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. +49 (0) 6195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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