Und vergib mir meine Schuld – Literarischer Wochenendgruß vom 27.03.15

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

wir nähern uns dem Osterfest. Am kommenden Sonntag feiern die Christen Palmsonntag. Es ist bekanntlich eine Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Dieser Gedenktag ist auch eine Hinführung auf den Kreuzestod Jesu.

Für mich war dies ein Anlass, über die Schuldfrage nachzudenken. Im bekannten „Vater unser“ heißt es „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ (Neues Testament, Matthäus-Evangelium Kapitel 6) .

Beginnt Schuld aber nicht doch zuerst bei mir, bevor ich andere mit in die Schuld einer Gemeinschaft hineinnehme? Wie gehe ich mit meiner Schuld um? Wo bin ich anderen gegenüber „schuldig“ geworden? Und wer hat das Recht, darüber zu urteilen, wann ich Schuld auf mich geladen habe?

Die Texte, vor allem von Ulrich Schaffer und Virginia Satir, geben auf ihre Weise, Anstöße darüber nachzudenken.

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Foto: Gerd Taron – Wegekreuz am Rettershof im Taunus

An das Leben
Längst sprach ich mir heilig das Leben,
Denn auch mich sprach es heilig in Huld,
Und die Gottheit hat jedem vergeben,
Der sich strebend erlöst von der Schuld.

Und die Gottheit will freie Söhne,
Die nichts mehr fühlen von Schuld,
Die da handeln in schaffender Schöne
Und das Leben erhöhen durch Huld.
Karl Ernst Knodt
Aus der Sammlung Schönheit

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Foto: Gerd Taron – Wegekreuz in Kelkheim-Fischbach

Die Zurückhaltung deiner Demut
Wenn sie dich wegen einer Aussage
missbilligend von der Seite betrachten,
wenn sie es dir mit Worten
oder mit Schweigen nachtragen,
dass deine Antwort ihnen unangenehm ist
oder dass deine Antwort heute anders ist als gestern,
wenn sie dir vorwerfen, dass du nicht mitmachst,
wenn sie vorgeben, dich nicht zu verstehen,
weil sie sich sonst selbst verändern müssten,
wenn sie unmöglich finden,
dass dir das Innere wichtiger ist als das Äußere,
wenn sie dich fragen,
ohne deine Antwort hören zu wollen,
wenn sie dich übersehen, um dich zu strafen,
wenn sie versuchen, dich mit ihren Vorschlägen
auszuhöhlen, um dich auf ihre Seite zu kriegen,
wenn sie erwarten, dass du dir selbst untreu wirst,
nur um ihnen treu zu sein, was das auch heißen mag,
wenn sie nicht erfassen wollen oder können,
was deine innere Wahrheit ist,
wenn sie dich so in Frage stellen,
dass sie deine Würde antasten,
wenn sie laut sind, wo du leise bist,
wenn sie dir deinen ureigensten Raum nehmen
und mit ihrem Wesen besetzen, was dir gehört,
wenn sie über dich verfügen,
als hättest du keine Meinung,
wenn sie deine Leidenschaft abschwächen wollen,
um dich lau und mittelmäßig zu machen,
dann halte aus, dich nicht zu verteidigen.
Schäme dich nicht.
Sei dir treu, in der Tiefe deines Wesens.
Vielleicht schaffst du es sogar,
nicht zum Gegenangriff überzugehen.
Erinnere dich,
dass du dein Leben leben musst, nicht sie.
Was für sie gilt, gilt meistens nicht für dich.
Deine innere und auch deine äußere Welt
sind absolut einmalig und du hast
den besten Überblick über sie.
Die Zurückhaltung deiner Demut ist groß,
sonst hättest du längst getan,
was sich hundertmal jeden Tag anbietet:
eine andere zu sein als die,
die du bist.
Und wo du es getan hast,
da kreide es dir nicht an und kehre zu dir zurück.
Es gibt keinen Moment,
wo nicht etwas in dir auf dich wartet.
Ulrich Schaffer

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Ich brauche keine Schuldgefühle zu haben, bloß weil das,
was ich tue, sage oder denke, einem anderen nicht gefällt.
Ich darf wütend sein und meine Wut ausdrücken,
solange ich dabei nicht mein Augenmaß verliere.
Ich muss nicht die alleinige Verantwortung für Entscheidungen übernehmen, an denen auch andere beteiligt waren.
Ich habe das Recht, “ Ich verstehe das nicht“ oder „Ich weiß es nicht “ zu sagen, ohne mir blöd vorzukommen.
Ich habe das Recht, „nein“ zu sagen, ohne dabei
Schuldgefühle haben zu müssen.
Ich muss mich nicht entschuldigen oder rechtfertigen,
wenn ich „nein“ sage.
Ich habe das Recht, andere um etwas zu bitten.
Ich habe das Recht, Bitten abzuschlagen und zusätzliche Verpflichtungen abzulehnen.
Ich habe das Recht, anderen mitzuteilen, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mich ungerecht behandeln oder bevormunden.
Ich habe das Recht, es anderen mitzuteilen, wenn ihr Verhalten mich irritiert.
Ich habe das Recht, Fehler zu machen und für sie die Verantwortung zu tragen.
Ich habe das Recht mich zu täuschen.
Ich brauche nicht von allen gemocht, bewundert oder
geachtet zu werden für alles, was ich tue.

~Virginia Satir~

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Am Schluss dieses Wochenendgrußes gibt es aber auch Hoffnung, wenn ich tatsächlich „Schuld“ habe – Vergebung.
Das wünsche ich Ihnen an diesem Wochenende, dass sie ihre eigene Schuld und die der anderen vergeben können.

Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: Zu diesem Thema hat der evangelische Pfarrer unserer Kirchengemeinde in Kelkheim-Fischbach anlässlich der Befreiung des KZ Auschwitz einen sehr nachdenkenswerten Beitrag unter der Überschrift „Keine Schuld“ verfasst.

Sie können ihn hier nachlesen:

https://gerdtaronantiquariat.wordpress.com/2015/03/26/keine-schuld-gedanken-von-pfarrer-andreas-schmalz-hannappel-kelkheim-fischbach/?fb_action_ids=783866551702032&fb_action_types=news.publishes&fb_ref=pub-standard
Nachstehend noch zwei Termin-Hinweise in eigener Sache:

Samstag, 28.03. – 16 Uhr – Der Frühling ist da!

Ein literarischer Frühlingsspaziergang rund um den Rettershof

Treffpunkt: Großer Parkplatz am Rettershof, Kelkheim-Fischbach

Kostenbeitrag. 8 Euro – Dauer ca. 1,5 Stunden

Auftakt zum ersten der literarischen 4-Jahreszeiten-Spaziergänge.

Sonntag, 29.03.2015 ab 15:30 Uhr – Literarischer Nachmittag bei Kaffee und Kuchen

im Café Lounge Jasmin, Alt-Fechenheim 80, Frankfurt-Fechenheim

Thema: Der Frühling ist da! Geschichten und Gedichte um eine besondere Jahreszeit
Anmeldungen erwünscht unter Tel. Marketing/Events 0163/8890130 (Elke Dippel) – Um einen Kulturbeitrag wird gebeten.

Gerd Taron

Taron-Antiquariat – Bücher und mehr
Langstraße 30

65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 49+(0)6195-676695

Internet: http://www.gerdtaronantiquariat.wordpress.com

und

http://www.taron-antiquariat.de

E-Mail: verkauf@tarion-antiquariat.de oder taron-antiquariat@gmx.de

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