Sesshaft werden – Literarischer Wochenendgruß vom 06.03.15

Liebe Leserinnen und Leser des Wochenendgrußes,

auf der Suche nach einer neuen Heimat. Das gilt in so unruhigen Zeiten wie diesen mehr denn je.

Heute sind es die Flüchtlinge aus den afrikanischen Staaten, aus dem Nahen Osten wie Syrien und anderen Gebieten. Vor über 70 Jahren waren es Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten, die vor dem Terror der neuen Besatzer ihres ehemaligen Landes fliehen mussten. Sie allen suchten Zuflucht in sicherem Terrain. Sie kamen mit nichts und fingen neu an.

Moderne Menschen, Job-Nomaden, wie eine große Tageszeitung kürzlich in einem Artikel diese Wanderarbeiter beschrieben hat, sind heimatlos. Heute hier, morgen dort. Die Zahl nimmt laut einem Trendforscher rasant zu.

Heimatlos –entwurzelt. Der Wunsch endlich wieder „Boden unter den Füßen zu bekommen“, ist groß.

Viele der früheren Vertriebenen, die Gastarbeiter der ersten Stunden haben bei uns eine neue Heimat gefunden – sind sesshaft geworden. Sie haben sich in unsere Gesellschaft integriert. Sie sind ein Teil im sozialen Miteinander geworden.

Ich wünsche mir, dass es den Menschen, die jetzt aus anderen Kulturen kommen, es auch gelingen möge. Ein weiter Weg liegt vor Ihnen.

Zu meinen Gedanken möchte ich wieder einige literarische Gedankenanstöße geben.

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Foto: Gerd Taron

Was ist Heimat?

Für die einen ist es der Ort, wo sie geboren wurden- und vielleicht sogar noch leben-,
für die anderen der Ort, wo sie der Arbeit und/ oder der Liebe wegen verzogen sind.
Für viele Menschen ist Heimat der Ort, wo sie ihrem leidenschaftlichen Hobby frönen- ich erinnere mich gerne an die Motorsportler am Nürburgring.
Heimat ist auf jeden Fall der Ort, wo wir mit unseren Liebsten- Familie und Freunde- glücklich sind.

Auch ein Rückzugsort, ein selbst gewählter Ort der Ruhe und Stille, wo man nach Unbehagen, Krankheit und Stress wieder zu sich selbst findet, kann einem Heimat bedeuten.

Habt Ihr Eure Heimat gefunden?

Anne M. Pützer

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Foto: Gerd Taron

Zu einem alten chinesischen Weisen kam einst ein Fremder, um sich in dessen Stadt niederzulassen. Der Fremde fragte ihn: „Was für Leute wohnen bei euch?“ – „Was für Menschen wohnen denn in deiner Heimatstadt?“ fragte der Weise zurück. – „Lauter unfreundliche und egoistische Leute!“ sagte der Fremde. – „Genau die gleiche üble Sorte wohnt auch hier!“ bestätigte der Weise. Bald kam ein anderer mit derselben Frage. Auch ihn fragte der Weise „Was für Menschen wohnen denn da, wo du bisher gewohnt hast?“ Der Fremde erwiderte: „Ich ziehe ungern weg. Dort wohnen so liebenswerte Leute!“ Da beruhigte ihn der Weise: „Solch wunderbare Menschen warten auch hier auf dich!“

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Heimat ist nicht Raum, Heimat ist nicht Freundschaft, Heimat ist nicht Liebe – Heimat ist Friede.
Paul Keller (1873 – 1932), deutscher Schriftsteller

Neue Heimat

An ferner, eisiger Küste.
war ich einst gelandet,
nach meines Lebens Schiffuntergang.
Ich sucht´und fand Herzen,
die dort sind gelandet.
In neuer Heimat
vernahm ich der Liebe Klang.

(Anne M. Pützer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Ich drücke mein Gesicht an seine dunkle, warme Rinde und spüre Heimat – und bin so unsäglich dankbar in diesem Augenblick.

Sophie Scholl (1921-43)

Ich wünsche Ihnen liebe Leser, dass Sie Ihre persönliche Heimat finden. Orte, Menschen, die Ihnen Wärme und Geborgenheit schenken.

Ein erholsames Wochenende mit vielen schönen Momenten wünscht
Ihr/Euer
Gerd Taron

PS: Etwas möchte ich noch anfügen: An dieser Stelle möchte ich Karin Schneider-Jundt danken, die mich bei der Erstellung des literarischen Wochenendgruß unterstützt. Ihre Anregungen und Korrekturlesen sind eine wertvolle Hilfe.

Karin Schneider-Jundt und ihre Familie stammen aus Siebenbürgen, dem heutigen Rümänien, und haben Flucht und Vertreibung hautnah erleben müssen.

Kontaktmöglichkeiten unter

Gerd Taron

Taron-Antiquariat – Bücher und mehr
Langstraße 30

65779 Kelkheim-Fischbach
Tel. 49+(0)6195-676695

E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de
oder taron-antiquariat@gmx.de

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