Ernte sei Dank – Literarischer Wochenendgruß vom 03.10.14

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes!

Die Zeit der Ernte ist vorbei. Die meisten Früchte sind geerntet. Jetzt dürfen wir die Ernte genießen.

Bei meinen Spaziergängen über die Streuobstwiesen hier im Taunus komme ich mir oft so vor, als ich lebte ich in einem Schlaraffenland. Apfelbaum reiht sich an Apfelbaum, dazwischen ein Pflaumenbaum, Mirabellen, Kastanien und andere Köstlichkeiten finden sich hier.

In dieser Jahreszeit, dem Herbst, bereitet sich die Natur auf ihren Winterschlaf vor.

Es wird uns wieder bewusst, dass wir nicht hungern müssen und unser tägliches Brot jeden Tag dankbar in vielfältiger Weise zu uns nehmen dürfen.

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Bäckermeister Bernd Wittekind von der Bäckerei Wittekind, Kelkheim-Fischbach, Langstraße 1 – Foto: Gerd Taron

DAS BROT

Ich selber war ein Weizenkorn.
Mit vielen, die mir anverwandt,
lag ich im lauen Ackerland.
Bedrückt von einem Erdenkloß,
macht’ ich mich mutig strebend los.

Gleich kam ein alter Has gehupft
und hat mich an der Nas gezupft,
und als es Winter ward, verfror,
was peinlich ist, mein linkes Ohr,
und als ich reif mit meiner Sippe,
o weh, da hat mit seiner Hippe
der Hans uns rundweg abgesäbelt
und zum Ersticken festgeknebelt
und auf die Tenne fortgeschafft,
wo ihrer vier mit voller Kraft
im regelrechten Flegeltakte
uns klopften, dass die Scharte knackte!

Ein Esel trug uns in die Mühle.
Ich sage dir, das sind Gefühle,
wenn man, zerrieben und gedrillt
zum allerfeinsten Staubgebild’,
sich kaum besinnt und fast vergisst,
ob Sonntag oder Montag ist.
Und schließlich schob der Bäckermeister,
nachdem wir erst als zäher Kleister
in seinem Troge bass gehudelt,
vermengt, geknebelt und vernudelt,
uns in des Ofens höchste Glut.
Jetzt sind wir Brot. Ist das nicht gut?
Frischauf, du hast genug, mein Lieber,
greif zu und schneide nicht zu knapp
und streiche tüchtig Butter drüber
und gib den andern auch was ab!

Wilhelm Busch

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr.
Mit goldenem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.
Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluss hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht-
Das geht in Ruh‘ und Schweigen unter.

Georg Trakl

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Erntelied

Der Sommer bleibt nicht lange mehr,
Der Tag wird kürzer, die Nacht wird länger,
Das Korn ist gemäht, das Feld wird leer.
Es schweigen schon des Waldes Sänger,
So gibt er uns noch ein fröhlich Fest.

Seht da! Sie bringen den Erntekranz
Mit bunten Bändern und Flittern,
Sie eilen Alle zum fröhlichen Tanz,
Die Mädchen mit den Schnittern.
Und Alles tanzt und springt,
Und Alles jubelt und singt.

Juchheißa juchhei!
Die Ernt‘ ist vorbei.

Heinrich Hoffmann von Fallersleben

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Beurteile einen Tag nicht danach,
welche Ernte du am Abend eingefahren hast,
sondern danach, welche Saat du gesät hast.

Robert Louis Stevenson

Danke
Im normalen Leben wird oft einem gar nicht bewusst,
dass der Mensch überhaupt unendlich viel mehr empfängt,
als er gibt, und dass Dankbarkeit das Leben erst reich macht.
Dietrich Bonhoeffer

Wenn Sie mögen, können Sie die Texte des heutigen Wochenendgrußes und andere beim literarischen Erntedank-Spaziergang am Rettershof in Kelkheim-Fischbach hören und erleben. Weitere Informationen finden Sie am Ende.

Ich wünsche Ihnen an diesem verlängerten Erntedank-Wochenende viele Momente der Dankbarkeit. Ihnen allen danke ich für das treue Lesen des Wochenendgrußes und die Anteilnahme, die ich immer wieder erfahren darf.

Ihr/Euer

Gerd Taron

Literarischer Erntedank-Spaziergang am Rettershof

Die Streuobstwiesen rund um den Rettershof
Geschichten und Gedichte zur Erntezeit
Sonntag, 05.10.2014 von 15:00 bis 17:00 Uhr
Treffpunkt: Parkplatz Rettershof, Kelkheim-Fischbach
Weitere Informationen bei Gerd Taron, Taron-Antiquariat
Langstraße 30, 65779 Kelkheim-Fischbach, Tel. 06195-676695
E-Mail: verkauf@taron-antiquariat.de
Festes Schuhwerk wird empfohlen – Kostenbeitrag: 5 Euro

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