Zur Ruhe kommen – Literarischer Wochenendgruß vom 08.08.14

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

in diesen Tagen ist es in unseren Städten und Dörfern ruhig geworden. Geschäfte haben Betriebsferien, viele Büros sind spärlich besetzt. Ferienzeit – Zeit, den Alltag etwas ruhiger angehen zu lassen.

Aber warum sollen wir nur in der geplanten Ferienzeit zur Ruhe kommen? Ist es nicht möglich, unsere Oasen der Stille auch in unserem normalen Alltag zu finden? Der heutige Wochenendgruß möchte Gedankenanstöße geben, nicht nur in den Ferien zur Ruhe zu kommen.

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Foto: Gerd Taron (in der Nähe des Atzelbergturms Kelkheim-Ruppertshain)

Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zwecklos, sie andernorts zu suchen.
– François de La Rochefoucauld –

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Es gibt eine Stille,
in der man meint,
man müsse die einzelnen Minuten hören,
wie sie in den Ozean der Ewigkeit hinunter tropfen.

Adalbert Stifter

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Während ich still sitze

Ich sitze mal wieder so still und leicht,
dass du mich wegpusten könntest.
Stundenlang bin ich Luft.
Währenddessen kommt die Flut herein
mit ihrem Spielzeug: Seetang, Muscheln,
Verkorkte Flaschen mit Hilferufen,
Schicksale von Nichtschwimmern.
Für sie alle hat die Flut
mehr Zeit als eine Uhr.

Still,
um mich nicht zu verraten,
durchquere ich Jahre
und erfinde dabei wahre Geschichten.
Ich lasse mich heimsuchen
und lebe für Unbekannte.
Ich nehme Pseudonyme an
und lege sie wieder ab.

Und wenn ich mich gleich wieder bewege
werde ich ein anderer geworden sein,
aber ich bleibe bei dem alten Gesicht,
um dir noch einen Anhaltspunkt zu geben.

Ulrich Schaffer

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Nur die Ruhe ist die Quelle
jeder grossen Kraft.

~ Fjodor M. Dostojewski ~

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Foto: Gerd Taron (Waldlichtung bei Kelkheim-Ruppertshain)

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.
Wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen.

Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.

(Rainer Maria Rilke)

Gönnen Sie sich an diesem Wochenende Ihre persönlichen Ruhezeiten. Ein Wochenende mit erholsamen und stillen Momenten wünscht

Ihnen/Euer

Gerd Taron

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Mein Freund – Anne M. Pützer

MEIN FREUND.

Lieber Freund,
meine Türe steht dir immer offen,
wenn du dich nach Nähe sehnst.
Fühle dich eingeladen und willkommen geheißen,
wenn du ein offenes Ohr suchst
und dich an einem Freund anlehnen möchtest.
Sei mein Gast!

Ich sehe dich immer schon von weitem kommen
und meine Augen blitzen vor Freude,
endlich wieder deinem Blick zu begegnen,
in dem so viel vertraute Seelentiefe liegt.
Meine Hand streckt sich dir entgegen,
um dich zu begrüßen,
und dich zu halten – und gehalten zu werden.
Unsere Umarmung schenkt Geborgenheit
und sagt uns ohne Worte:
,,Ich mag dich – so wie du bist.“
Wir fühlen uns gut beieinander aufgehoben.

Mein Freund,
dein Herz darf mir ehrlich sagen,
wie das Leben mit dir spielt
und welche Schicksalsschläge du ertragen musst.
Komm nah zu mir
und sprich dich aus.
Du kannst ganz offen sein,
denn ich fühle mich gut in dich ein,
und dein Gesprochenes bleibt tief in mir –
gut versiegelt.
Ich möchte auch dir gern erzählen,
was sonst keiner wissen soll.
Mein Herz öffne ich dir ganz weit,
um dir zu zeigen,
wie ich, dein Freund,
tief drinnen bin.
Du sollst wissen,
was meine Seele prägte,
damit du verstehst,
warum ich so bin.

Lieber Freund,
lass uns auch den gleichen Humor entdecken
und uns gegenseitig damit erfreuen.
Wir wollen uns zum Lachen bringen
und uns jung und entspannt fühlen.
Lachen tut gut
und wir lachen gerne – miteinander.
Das Leben hat auch heitere Momente,
die wir bewusst wahrnehmen.

Lass uns vertraute Stunden erleben,
an die wir uns lange,
und mit viel Wärme im Herzen,
erinnern werden.

Mein Freund,
lass nicht so viel Zeit verstreichen,
bis wir uns wiedersehen.

(Text und Foto: Anne M. Pützer)

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Magnificat von Johann Sebastian Bach – Eine ungewöhnliche Aufführung an einem ungewöhnlichen Ort

Magnificat von Johann Sebastian Bach
Eine ungewöhnliche Aufführung an einem ungewöhnlichen Ort

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Frankfurt, 11.07.2014

Auf Einladung von Viktoria Vonseelen, Sprecherin aus Frankfurt, durfte ich an einer seiner ungewöhnlichen Aufführung teilhaben.

Das bekannte Magnificat von Johann Sebastian Bach (BWV 243) nicht als Gesang, nicht in der Kirche – sondern in einer großen Universitätssporthalle und als Tanz aufgeführt.

Was hätte dazu wohl der große Meister Johann Sebstian Bach gesagt? Martin Luther
bestimmte einst für die evangelische Kirche: „Es ist billig, dass man dies Lied noch lasse bleiben in der Kirche!“

Unter der künstlerischen Leitung der Choreografin Dr. Phil. Malda Denana konnte die etwa 50 Zuschauerinnen und Zuschauer auf der Empore der Sporthalle, die Tänzerinnen und einen Tänzer bewundern. Das Ensemble bestand aus den Ballett- und Modernklassen des Hochschulsports der Johann Wolfgang-Goethe-Universität Sie verstanden mit Leidenschaft dieses nicht einfache Werk glänzend tänzerisch umzusetzen.

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Es mag für manche Augen und Ohren gewöhnungsbedürftig gewesen sein, ein frommes Werk in dieser Form dargeboten zu bekommen. Aber warum sollte es immer eine Kirche sein?

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Der Text von Magnificat wurde von Viktoria Vonseelen in der lateinischen Fassung gelesen, was angesichts des Umfeldes eine besondere Herausforderung darstellt. Dies meisterte sie mit Bravour und großer Kompetenz.

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Viktoria Vonseelen, Sprecherin (Foto: Gerd Taron)

Mit den Worten „Magnificat anima mea Dominum“ („Meine Seele preist den Herrn“) beginnt auf Lateinisch der Lobgesang Marias, mit dem sie nach der Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel Gabriel zu Besuch bei ihrer Base Elisabeth auf deren prophetischen Willkommensgruß antwortet. Das Magnificat ist eines der drei Cantica des Lukasevangeliums (Lk 1,46-55 EU).

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Malda Denana die künstlerische Leiterin und Choreografin

Es war ein Erlebnis, bei dieser Aufführung dabei gewesen zu sein.

Gerd Taron

Habe Mut – Literarischer Wochenendgruß vom 01.08.14

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,

heute Morgen fielen mir beim Blick auf die Titelseite einer großen überregionalen Tageszeitung zwei Schlagzeilen auf, in denen das Wort „Drohung“ eine große Bedeutung hatte.

In diesen Tagen erlebe ich es selbst und einige in meinem Umfeld – dieses Gefühl „be-droht“ zu sein. Menschen wollen aus den verschiedensten Motiven anderen Angst machen. Sie wollen den anderen zu Handlungen zwingen, um die eigene Macht und Überlegenheit zu demonstrieren.

Betrachten wir dies aus literarischer Sicht. Dort finden wir vieles, was uns, der „be-droht“ wird oder sich fühlt, Mut machen soll.

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Foto: Gerd Taron

Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, macht sie vor aller Augen lächerlich, und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen.
Bekanntmachung allein genügt vielleicht nicht; aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen.
(Josef Pulitzer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Leute mit Mut und Charakter sind den anderen Leuten immer sehr unheimlich

Hermann Hesse

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind! Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vergeblich für euch erwerben müssen.! Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird.

Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

Günter Eich

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wahre Freiheit entdeckt der Mensch erst dann,
wenn er das Interesse daran verliert welchen Eindruck er erweckt.
(chinesische Weisheit)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss, wie andere Menschen

Astrid Lindgren

Wer sich nicht be-drohen lässt, ist frei und unabhängig von der Meinung anderer. Er kann „guten Mutes“ durch seinen Alltag gehen.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Wochenende mit mutigen Taten und Gedanken.

Ihr/Euer

Gerd Taron