Vom Geist der Gemeinschaft oder vom Team-Spirit – Literarischer Wochenendgruß vom 18.07.14

Liebe Freundinnen und Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

seit einigen Tagen liegt das größte Sportereignis hinter uns. Unser Land ist in einem Freudentaumel – „wir“ sind Weltmeister!

Wer das Finale verfolgt hat und auch die vielen anrührenden Szenen danach, dem ist vielleicht etwas aufgefallen. Nicht der Einzelne, etwa der Siegtorschütze oder irgendein anderer Spieler, stand im Mittelpunkt. Es war die Mannschaft, die Gemeinschaft aller, die zu diesem Erfolg beigetragen haben. Alle wurden Weltmeister, auch der Busfahrer, der Zeugwart, der Koch, die Physiotherapeuten und all die anderen, die zum Team, dem großen Ganzen, gehörten.

Jeder Spieler, der Trainer-Stab haben das Zusammengehörigkeitsgefühl in den vielen Interviews und beim großen Empfang in Berlin betont. Der Bundestrainer sprach vom „Team-Spirit“, der alle beflügelt habe.

Das ist für mich der Anlass für diesen Wochenendgruß diese Gedanken der Gemeinschaft, des Teams, aufzugreifen, wie immer mit Fotos von Hans Joerg Kampfenkel.

 

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

 

In einer Kurzgeschichte beschreibt Ulrich Schaffer, Gemeinschaft wie folgt:

Der Mann, der übers Meer ruderte

Er hat sich entschlossen,
über den Atlantik zu rudern.
Das Boot ist fertig, er hat Verpflegung
und Wasser für zwei Monate.
Als er sich abstößt, erscheint eine junge Frau
mit schwarzen Haaren und schöner als jede,
die er je gesehen hat.
Sie sagt: „Nimm mich mit.“
Er weiß, dass es richtig ist,
das Essen wird für beide reichen.
Er sagt nichts. Sie steigt ein.
Am Ufer weinen die Menschen und bekreuzigen sich.

Schon bald merkt er,
dass sie ihm beim Rudern hilft.
Ihre Stille ist seine Stärke.
Sie spricht mit den Fischen, und diese springen ins Boot.
Sie liest den Sextanten und weist ihm die Richtung.
Sie sagt, was er denkt, und er denkt Neues.
Ihre Stärke ist wie ein Segel,
sie verwandelt alle Winde in Vorwärtsenergie.
Wenn er rudert, sieht er auf sie und wird nicht müde.
Als sie Irland sichten,
werden seine Augen an dem Grün gesund.
Niemand hat ihn so früh erwartet.
Es ist windstill, und die letzten Züge
zieht er die Riemen mit dem Rücken zum Land.

Als er landet, ist er allein im Boot, fast hat er es gewusst.
Aber sie wird ihn nie verlassen,
das weiß er deutlicher als alles, was er je gewusst hat.
Ihren Namen lässt er täglich auf der Zunge zergehen.
Er ist Nahrung für sein ganzes Wesen.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

 

Zusammensitzen

Sie saßen ums Feuer, dicht an dicht,
verstanden aber ihre Sprachen nicht,
Antonio, Leila, Jimmy und Pierre,
aus Texas und Thailand, von überallher.
Dann kamen Lieder aus ihren Reihn,
und die anderen fielen in den Kehrreim ein,
„hole“, „lamdidel“, „tralala“ und „hej“,
„halli hallo“, „jompti“ und „yippie-yeah“.
Ob aus Asien, Europa und Amerika,
sie kamen auf einmal einander nah
durch den Kammerton a.

Otto Heinrich Kühner

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

 

Es gibt Reichtümer, an denen man zugrunde geht,
wenn man sie nicht mit anderen teilen kann.“

Michael Ende

Der Mensch für sich allein vermag gar wenig und ist ein verlassener Robinson; nur in der Gemeinschaft mit den andern ist und vermag er viel.
Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), deutscher Philosoph

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
In jedem Gemeinschaftserlebnis schmecken wir etwas von dem Wunder und der Jugend des ersten Schöpfungstages.
Gerhard von Mutius (1872 – 1934), deutscher Diplomat

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

In einer wahren Gemeinschaft jedoch sind alle arm und reich zugleich: reich, weil alle das haben, was sie brauchen, arm, weil keiner etwas besitzt; zugleich dienen sie nicht den Sachen, sondern die Sachen ihnen.
Tommaso Campanella (1568 – 1639), bürgerlich: Giovanni Domenico, italienischer Philosoph, Dominikaner, Dichter und Politiker
Quelle: »Sonnenstadt«, 1602

Ein erholsames Hitze-Wochenende wünscht Ihnen allen
Ihr/Euer
Gerd Taron

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