Vom Warten – Literarischer Wochenendgruß vom 04.07.14

 

Liebe Leserinnen und Leser des literarischen Wochenendgrußes,
am vergangenen Wochenende war ich wieder einmal unterwegs mit Bus und Bahn. Auf der diesmal sehr langen Fahrt nach Frankfurt-Fechenheim zum literarischen Nachmittag im Café Lounge Jasmin gab es diesmal längere Wartezeiten auf die jeweiligen Anschlüsse.
Aus diesem Erlebten entstand auch das Thema für die heutige Ausgabe „Vom Warten“.
Sehr viele von uns empfinden Warten als vertane Zeit – unnötig – ohne jeglichen Nutzen. Ist es wirklich so? Müssen wir deshalb überall und jederzeit erreichbar sein? Müssen wir deshalb in jedem Moment zum Handy, Smartphone greifen? Halten wir eine Zeit ohne Nichtstun, wie das Warten, noch aus?
Antoine de Saint-Exupéry hat dazu sehr schön formuliert:
Es ist gut, wenn uns die verrinnende Zeit
nicht als etwas erscheint,
das uns verbraucht oder zerstört,
sondern als etwas, das uns vollendet.

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Foto: Gerd Taron
Für denjenigen, der zu warten weiß, werden früher oder später auch die schönen Dinge kommen
Autor unbekannt
Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten,
bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.

~ Indianische Weisheit ~

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Foto: Gerd Taron

Die gute Zeit fällt nicht vom Himmel, sondern wir schaffen sie selbst; sie liegt in unseren Herzen eingeschlossen.

– Fjodor Michailowitsch Dostojewski –

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
Du wartest

Wartest du auf jemand,
auf diesen Menschen voll Güte,
voll Wunder und Mut,
sanft und dir zugewandt?
Wartest du auf den,
der da kommen soll, wie dein Retter?
Er ist da.
Sie ist da, voller Wahrheit und Tiefe.

Weil du ihn denken kannst,
weil du ihm eine Gestalt gibst,
ein Wesen mit einer Wirklichkeit,
weil du sie ersehnst, lebt sie in dir,
in den Fasern deines Wesens.
Deine Sehnsucht steht nach dir.

Die Verwandlung beginnt in deiner Mitte
und bewegt sich in Wellen nach außen.
Deine Knochen, Organe und Muskeln
werden zu Instrumenten des Lebens.
Deine Seele wird von deinem Herzen durchblutet,
und alles empfängt eine Bedeutung aus deiner Hand.

Spüre die Musik, die in dir steckt,
gib ihr nach, lass sie heraus,
sei Saite im Wind, sei Wind,
dein ganzes Wesen ist Klangkörper.
Höre deine Lebensworte,
diese Silben der Lust und des Staunens,
aus der auch heute noch die Welt entsteht.
Der Himmel ist hier und jetzt,
es gibt nur diese Wirklichkeit.
Nimm sie an.
Sie gehört dir, so wie du ihr.
Tritt ein.

Du stehst in der Mitte.
Du bist die, auf die alle gewartet haben.
Was du ersehnt hast, erfüllt sich.
Du bist zu Hause.

Ulrich Schaffer

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Die Zeit, die sich ausbreitet,
ist die Zeit der Geschichte.
Die Zeit, die hinzufügt,
ist die Zeit des Lebens.
Und die beiden haben nichts gemeinsam,
aber man muß die eine nutzen können
wie die andere.

(Antoine Saint-Exupéry)

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Foto: Sonnenaufgang über „Mainhattan“ (Hans Joerg Kampfenkel)
Ich wünsche Ihnen, dass für Sie Warten sinn-volle Zeit bedeutet – eine Zeit der kurzen und manchmal auch längeren Be-sinnung.

Ihr/Euer

Gerd Taron

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