1:0 für die Literatur – Ein literarischer Spaziergang am Main unter Männern

 

Fechenheim, 15.06.14
Stellen Sie sich vor, es ist Fußball-Weltmeisterschaft und kein Mann geht hin oder schaut fern. Nicht möglich denken Sie? Doch, es soll Männer geben, für die gibt es auch etwas Anderes als Fußball in diesen Tagen.

An einem sonnigen Spät-Frühlingsnachmittag begaben sich drei Männer zu einem literarischen Spaziergang. Start war die wunderschöne Gartenlaube des Café Lounge Jasmin in Alt-Fechenheim.

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Gartenlaube des Café Lounge Jasmin in Alt-Fechenheim

 

Dazu passte das wunderschöne Gedicht von Ewald von Kleist „Der schöne Garten“- hier ein Auszug:
Von blühenden Fruchtbäumen schimmert
Der Garten, die kreuzende Gänge
Mit roter Dunkelheit füllen;
Und Zephyr gaukelt umher,
Treibt Wolken von Blüten zur Höhe,
Die sich ergießen und regnen. –
Zwar hat hier Wollust und Hochmut
Nicht Nahrung von Mohren entlehnt
Und sie gepflanzet; nicht Myrten,
Nicht Aloen blicken durchs Fenster –
Das nützliche Schöne vergnüget
Den Landmann und etwa ein Kranz. –
Durch lange Gewölbe von Nußstrauch
Zeigt sich voll laufender Wolken
Der Himmel, und ferne Gefilde
Voll Seen und buschige Täler,
Umringt mit blauen Gebirgen. –

Auszug aus dem Gedicht von Ewald von Kleist „Der schöne Garten“

 

Über den Linné-Platz ging es dann an das Main-Ufer. Auf der bewaldeten schattigen Seite ließ es sich bei angenehmen Temperaturen gut aushalten.

Wie beschrieb schon einst Joseph von Eichendorff eine Flußlandschaft so schön:

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Am Main-Ufer in Fechenheim
Am Strom

Der Fluß glitt einsam hin und rauschte,
Wie sonst, noch immer, immerfort,
Ich stand am Strand gelehnt und lauschte,
Ach, was ich liebt‘ war lange fort!
Kein Laut, kein Windeshauch, kein Singen
Ging durch den weiten Mittag schwül,
Verträumt die stillen Weiden hingen
Hinab bis in die Wolken kühl.

Die waren alle wie Sirenen
Mit feuchtem, langem grünem Haar,
Und von der alten Zeit voll Sehnen
Sie sangen lies und wunderbar.
Sing, Weide, singe, grüne Weide!
Wie Stimmen aus der Liebsten Grab
Zieht mich dein heimlich Lied voll Leide
Zum Strom von Wehmut mit hinab.

Joseph von Eichendorff

 

Beim weiteren Gang machte die fröhliche Männer-Runde interessante Entdeckungen, wie zum Beispiel dieser Baum:

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Dazu ein Gedicht von Rainer Maria Rilke:

 

REIFEN wie ein Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Winters steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind,
als ob die Ewigkeit vor ihnen läge,
so sorglos still und weit….

 

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Auf einer Bank in der wunderschönen Allee in Fechenheim und einem Streifzug über die Flussauen von Fechenheim endete ein unterhaltsamer literarischer Männer-Nachmittag – ohne die holde Weiblichkeit.

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Eine Wiederholung ist nicht ausgeschlossen – dann gerne auch mit weiblichen Mitgängerinnen und Zuhörerinnen
Gerd Taron
Alle Fotos: Gerd Taron (Wiedergabe nur mit Genehmigung gestattet)

 

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