Sich erinnern – Literarischer Wochenendgruß vom 09.05.14

Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,
am vergangenen Wochenende war ich mit einer lieben Freundin in der wunderschönen Altstadt von Oberursel im Taunus. Wir begaben uns auf eine Entdeckungsreise in ihre Kindheit, wo sie fröhliche Kindertage bei der Oma verbringen durfte.
Mich hat dies an meine eigene Kindheit erinnert – es waren schöne Zeiten.
Aber es gibt auch die Schattenseiten der Erinnerung, wie z. B. gerade in diesen Tagen.
Bei der „Nacht der Museen“ in Frankfurt am Samstag, 10.05. erinnert die Künstlerin Margarete Rabow mit einer besonderen Vorleseaktion an solche. In einer Straßenbahn werden Texte gelesen, die die Schrecken eines Konzentrationslagers in Frankfurt bewusst machen sollen. Mehr dazu am Ende des Wochenendgrußes.

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Wenn ich alle meine Erinnerungen
an einer Wäscheleine aufhängen würde,
dann wäre diese nicht nur endlos lang.
Sie wäre auch extrem bunt und würde jeden,
der vorbeikommen würde,
mit ihren Farben erschlagen.

Einige dieser Erinnerungen würde ich
gerne aufbügeln, und fortführen
oder auch reaktivieren und neu erleben.

Andere würde ich abhängen, zusammenfalten
und wegschließen, denn ihre Zeit ist vorbei.

Doch Eines haben sie gemeinsam:
Sie alle gehören zu meinem Leben.

unbekannter Verfasser

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Erinnerung

Der Morgen weht mit zarten Lüften,
Und spielt mit Gras und Blatt und Blüt‘,
Und haucht aus tausend süßen Düften
Erinnerung in mein Gemüt.

Wie bald verweht des Lebens Morgen!
Kein Frühling macht uns wieder jung.
Was bleibt uns zwischen Pein und Sorgen
Als du – als du, Erinnerung?

Momente kommen gut und herzlich,
Und man vergißt das schlimme Jahr,
Ach, man gedenkt entzückend-schmerzlich
Der Stunden, die man glücklich war.

Das Leben ist ein Kranz von Blüten,
Tief zwischen Dornen eingewebt,
Nur die erringen, die sich mühten,
Nur wer geweint hat, hat gelebt.

Ernst Freiherr von Feuchtersleben

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel

Je schöner und voller

die Erinnerung, desto schwerer
ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt jede Qual der
Erinnerung in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht
wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares
Geschenk in sich.

(Dietrich Bonhoeffer)

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so laß uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Aus: Von guten Mächten wunderbar geborgen … von Dietrich Bonhoeffer

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Foto: Hans Joerg Kampfenkel
erinnerung
warten
auf
frühling

von ferne schon
der ruf der
wildgänse

sind auf dem
weg zu
mir

gehaltenes
versprechen.
(c) Viktoria Vonseelen Frankfurt, 1.3. 2013

Diese Zeilen sind am 08. Mai geschrieben – ein besonderer Jahrestag. Es ist der Tag, der für viele Befreiung und ein Ende des Schreckens bedeutete. Für viele war bereits vorher der Krieg zu Ende. Der 08. Mai und alles was davor geschah, muss in Erinnerung bleiben.
Ein Wochenende mit vielen schönen Erinnerungen wünscht Ihnen
Ihr/Euer
Gerd Taron

Hier der Hinweis zu der besonderen erwähnten Aktion:
Ich, und eine sehr liebe Freundin von mir, Viktoria Vonseelen und einige andere, werden an einer ungewöhnlichen Lesung mitwirken.
Am Samstag werden wir abwechselnd in Abständen von ca. 15 Minuten Texte gegen das Vergessen lesen.
Vielen Frankfurtern ist nicht bekannt, dass es in Frankfurt ein KZ unter dem Decknamen „Katzbach“ gab.
Dies hat unter anderem die Künstlerin Margarete Rabow zu der ungewöhnlichen Aktion bewogen.
Wir starten am Samstag, 10.05. um 23:00 Uhr auf der Straßenbahn-Linie 16 Richtung Ginnheim am Südbahnhof Frankfurt.
Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.rabow-kz-katzbach.de/stoerungen-und-irritationen/lesungen/

 

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