Ich suche (m)einen Engel – Literarischer Wochenendgruß vom 13.12.13

 Liebe Freunde des literarischen Wochenendgrußes,

ist es Ihnen auch aufgefallen, dass uns gerade in der Advents- und Weihnachtszeit so viele Engel begegnen? Und ich frage mich, woran das liegt. Steckt da nicht eine Ur-Sehnsucht in uns, nach Liebe und Geborgenheit, abseits von materiellen Werten?

Engel kommen in der Kunst und in der Literatur, in den Religionen in vielfältigster Weise vor. Welcher bedeutender Dichter und Maler hat sich nicht schon mit Engeln beschäftigt.

Was sind Engel, wie sieht ein Engel aus? Hat er wirklich immer Flügel, hat er immer ein weißes Gewand?

Ich glaube, es gibt mehr Engel als wir denken und sie sehen ganz anders aus, als wir uns das vorstellen. Gehen Sie doch einmal mit offenen Augen durch Ihren Alltag. Wie viele Engel sind Ihnen da schon begegnet? Haben Sie sie bemerkt?

Einige besonders Engel-Fotos hat Marina Rupprecht wieder im Lichte des 3. Advents herausgesucht.

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Engel haben nicht immer Flügel.
Manchmal haben sie Fell und Pranken.
Engel tragen nicht immer Heiligenscheine,
manchmal tragen sie Halsbänder.
Engel schlafen nicht immer auf Wolken,
manchmal schlafen sie nah an uns gekuschelt.
Engel singen nicht immer in himmlischen Chören,
manchmal bellen und heulen sie.
Hast du einen Engel in deinem Leben?

(North Main Animal Hospital, P.C.)

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~Die Engel~

Sie haben alle müde Münde
und helle Seelen ohne Saum.
Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)
geht ihnen manchmal durch den Traum.

Fast gleichen sie einander alle;
in Gottes Gärten schweigen sie,
wie viele, viele Intervalle
in seiner Macht und Melodie.

Nur wenn sie ihre Flügel breiten,
sind sie die Wecker eines Winds:
als ginge Gott mit seinen weiten
Bildhauerhänden durch die Seiten
im dunklen Buch des Anbeginns.

~Rilke~ Das Buch der Bilder

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Eine Engelsgeschichte beschließt diese heutige Ausgabe:

Ein kleiner Engel saß einfach da,
ganz, ganz leise, sein Blick war starr,
er beobachtete den Tanz der Sterne,
die Nacht, den Mond, das sah er gerne.
Jedoch war er ganz allein
– aus Absicht – denn er wollte es sein.

Als er, wie immer, die Sterne zählte,
bemerkte er, das einer fehlte.
Vom Himmel gefallen zu einem anderen Ort,
ist dieser Stern nun ganz weit fort!

Dann fing es auch schon an zu regnen,
Denn der Engel wollte seinem Stern begegnen.
Er weinte ununterbrochen tagelang,
bis eines Tag`s er eine Nachricht bekam:
„Auch auf Erden, lass ich Dich nie im Stich,
ich bin stets für Dich da, denn ich mag Dich gar sehr!“

Der kleine Engel wischte sich eine Träne vom Gesicht
und rief: „Du bist lieb! Bitte warte auf mich!“

Er gab seine Aufgaben im Himmelreich ab
und viel noch in der selben Nacht,
als schönster Stern zur Erde hinab!

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Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren persönlichen Engel finden. Vielleicht müssen Sie ja gar nicht so lange nach ihm suchen.

 

Einen gesegneten 3. Advent

 

Ihr/Euer

 

Gerd Taron

Alle Fotos: Marina Rupprecht – Wiedergabe nur mit Genehmigung gestattet

Veranstaltungshinweis:

Am Samstag, 14.12. und am Sonntag, 15.12. jeweils um 15:00 Uhr präsenitere ich Weihnachtsgeschichten und Weihnachtsgedichte im Café Lounge Jasmin in Frankfurt-Fechenheim, Alt-Fechenheim 94.

 

Wer die Gelegenheit nutzen möchte, für einige Stunden innezuhalten, ist herzlich eingeladen.

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