Klassische und moderne Lyrik – Vortrag von Thomas Berger

Gehalten am 19.10.2013 auf dem Symposion des Freien Deutschen Autorenverbandes Landesverband Hessen e. V. in Kronberg-Oberhöchstadt.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

 

Kann man über ein so „trockenes“ Thema wie Lyrik einen kurzweiligen Vortrag halten? Um es vorwegzunehmen: Ja, man kann, besser gesagt – Thomas Berger konnte es. Auf dem Symposion des Freien Deutschen Autorenverbandes durften die zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer es erleben.

Es ist nicht einfach für mich als Rezensent, die wesentlichen Höhepunkte dieses Vortrages herauszustellen. Aber ein Versuch ist es wert.

Einen weiten Bogen spannte der Referent von der klassischen bis zur modernen Lyrik mit all ihren Facetten.

Worin liegen die Unterschiede zwischen klassischer und moderner Lyrik? Thomas Berger wählte aus der Klassischen Lyrik die italienische Renaissance, besonders durch den italienischen Dichter Francesco Petrarca (1304 – 1374) vertreten, die Weimarer Klassik und die staufische Klassik aus.

Die Weimarer Klassik reicht von Johann Wolfgang von Goethes 1. Italien-Reise bis zu Friedrich Schillers Tod im Jahre 1805.

Die Zeit der Weimarer Klassik gilt als der Höhepunkt der deutschen Nationalliteratur.

Als Beispiel trug Thomas Berger Goethes Ballade „Der Fischer“ vor.

Die staufische Klassik ist die Zeit der mittelhochdeutschen Dichtung zwischen 1183 und 1254. Merkmal ist die ritterlich-höfische Literatur dieser Epoche, insbesondere der Minnesang.

Das Thema ist hier oft die unerfüllte Liebe der Ritter zu den Damen des Hofes, gezeigt am Beispiel des „Lügenliedes“ von Bernger von Horheim.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

Als ein sehr wichtiger Vertreter der modernen Lyrik gilt Arno Holz (1863-1928), ein deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus und Impressionismus.

Thomas Berger las das Gedicht von Arno Holz „ACHTUNG! ACHTUNG!! ACHTUNG!!!“  Ein weiteres Beispiel war ein Gedicht von Paul Celan, aus dem er die Verse „ An den Tischen der Zeit / Zechen die Krüge Gottes“ auswählte, um sogenannte absolute Metaphern der Moderne zu verdeutlichen.

Christoph Lichtenberg sagte über die Metapher, dass sie „weit klüger sei als ihr Verfasser“.

Die Chiffre ist neben den Metaphern eine Form der Verfremdung, wie dies beispielhaft in den Gedichten von Georg Trakl deutlich wird.

Hugo Friedrich (1904 – 1978), ein deutscher Romanist, beschreibt in seiner Strukturanalyse moderner Lyrik“ diese folgendermaßen: „Moderne Lyrik nötigt die Sprache zu der paradoxen Aufgabe, einen Sinn gleichzeitig auszusagen wie zu verbergen. Dunkelheit ist zum vorherrschenden ästhetischen Prinzip geworden.“

Als Vertreter der modernen Lyrik  sind  unter anderem Friedrich Hölderlin, aber auch Ingeborg Bachmann, Günter Eich und Rose Ausländer zu nennen.

Welche Strömungen sind in der gegenwärtigen Lyrik, vor allem nach Ende des 2. Weltkrieges, zu erkennen?

Ein wunderbares Beispiel zitierte Thomas Berger mit einem Computer-Gedicht aus dem Jahre 1966 des Deutschen Rechenzentrums in Darmstadt.

Über den modernen Dichter-Wettstreit, wie seit Jahren  durch den „Poetry Slam“ vertreten oder den Rap, spannte Thomas Berger einen großen Bogen der vielschichtigen Strömungen.

Mit dem Zitat von Friedrich SchillerKunst ist eine Tochter der Freiheit“  und folgenden Schlussworten beendete Thomas Berger seinen abwechslungsreichen und spannenden Auftrag:

„Es lebe die Lyrik – sei sie anmutig, sei sie verstörend. Es lebe der Wortzauber der Poesie – es lebe das Gedicht!“

 

Im Anschluss tauschten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer rege aus.

Gerd Taron

Alle Fotos: Gerd Taron

Wer mehr über Thomas Berger erfahren möchte:

http://www.autor-thomas-berger.de/

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

 

 Nachstehend einige Informationen über den Freien Deutschen Autorenverband (FDA):

Der Verband

Der Freie Deutsche Autorenverband (FDA), Schutzverband deutscher Schriftsteller e.V. ist ein unabhängiger Autorenverband. Er tritt ein, für die Freiheit des Geistes, für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Unhabhängigkeit der literarisch und künstlerisch Tätigen ohne Unterschied von Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, Herkunft, Geburt und politischer oder sonstiger Anschauung bei strikter Abgrenzung gegen den Extremismus von rechts und links.

Der FDA lehnt jede Zensur, jeden politischen Eingriff in Literatur und Publizistik ab, er tritt ein für den demokratischen Rechtsstaat, da nur in einem solchen, wie die Erfahrung in vergangenen und heutigen totalitären Regimen zeigt gewährleistet wird. Toleranz bedeutet nicht die Anpassung an die Feinde der Demokratie.

Der Freie deutsche Autorenverband ist einer der Gründungsmitglieder im Deutschen Literaturfonds und Mitglied im Deutschen Kulturrat und Mitglied der Künstlersozialkasse. Im Bundesverband der freien Berufe (BfB) vertritt er die Schriftsteller.

Im Internet: http://www.fda.de/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s