Von Steinen lernen – Rundbrief von Pfarrer Andreas Schmalz-Hannappel

„Von Steinen lernen, heißt liegen lernen,“ spottete Robert Gernhardt. Doch liegt da nicht auch ein Fünkchen Wahrheit drin? Täte es uns nicht auch gut, einfach mal abzuwarten? Nicht in hektischen Aktionismus zu verfallen, sondern in Ruhe zu überlegen und dann mit aller Deutlichkeit das Richtige zu tun?
 Ich erlebe es leider immer wieder, ob in der Schule oder in der Kirche, aber auch in der Wirtschaft, dass viele Vieles tun, weil irgendetwas ja  getan werden muss. Aktion allein um der Aktion willen. Denn wer nichts tut, gilt nicht grade als innovativ, sondern als faul. Dabei täte es vielen gut, erst mal abzuwarten, nichts zu tun, die Lage zu analysieren und dann erst zu handeln. Auch in der momentanen politischen Lage wäre dies ein guter Ratschlag. Denn mit Erschrecken lese ich in den Zeitungen von einem drohenden Militärschlag gegen Syrien. Es ist in der Tat nicht hinzunehmen, dass Giftgas Menschen tötet. Aber bevor man die Waffen sprechen lässt, sollte man wissen, wohin dies führen soll und welche Möglichkeiten der Deeskalation es noch geben kann.
So gibt es viele Situationen im Leben, in denen es sinnvoller ist, zu warten, als sofort zu agieren. Vielleicht sollten wir uns wirklich ab und an den Stein als Vorbild nehmen, wie es der Autor Holm Friebe in seinem Buch „Die Stein Strategie – von der Kunst nicht zu handeln“ empfiehlt.
Der prägnanteste Stein, von dem in der Bibel erzählt wird, ist der Stein, den die Bauleute verworfen hatten. Er wurde zum Stolperstein und somit zum Stein des Anstoßes, um schließlich wirklich tragender Stein, nämlich Eckstein zu werden.
Da ist der Stein, der eigentlich ein Bild der Passivität ist, zu einem dynamischen und kräftigen Wirken gekommen, so dass auch der an Christusglaubende Mensch als lebendiger Stein bezeichnet werden kann.
So heißt für mich von diesem Eckstein zu lernen, darauf zu vertrauen, dass Gott mich im rechten Moment  das Rechte tun lässt.
Dies Vertrauen wünsche ich auch Dir.
Gottes Segen für Dich.
Andreas Schmalz-Hannappel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannes Kelkheim-Fischbach
P.S. Am kommenden Sonntag freut sich der Förderverein, wenn möglichst viele Menschen in den Gottesdienst (10.30 Uhr) und zum anschließenden Brunch kommen. Der Chor wird singen und die Band spielen.
Aus organisatorischen Gründen ist der Redaktionsschluss des neuen Gemeindebriefes auf Mitte September verschoben worden. Gedankensplitter oder Artikel zum Thema Toleranz sind sehr verwünscht (redaktion@st-johannes.net).
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