Vom Turm in die Freiheit ?! Ein Nachruf für einen lieben Menschen

Vom Turm in die Freiheit?!

Ein besonderer Nachruf für einen lieben Menschen

 

Am Abend des vergangenen Freitag erreichte mich eine Todes-Nachricht von einem Menschen, die mich sehr berührt hat.

Dieser Mensch hatte eine besondere Bedeutung in meinem Leben und ist eng mit meiner eigenen Lebensgeschichte verbunden.

In der vergangenen Woche nahm sie sich das Leben. Sie stürzte sich von einem hohen Turm in den Tod. Da ich ihre Lebensumstände gut kenne, kann ich mir vorstellen, was sie möglicherweise zu diesem Entschluss bewegt hat.

Sie hat sich nicht aus ihren Fesseln, aus dem Stacheldraht, der sie umgab, befreien können und sah offensichtlich keinen anderen Ausweg mehr als den Freitod.

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An dieser Stelle möchte ich einige persönliche Zeilen an sie richten:

Liebe A.,

 als ich Dich und Deine Familie vor 3 Jahren zum letzten Mal besucht habe, warst Du in einer sehr schwierigen Situation. Damals erschien alles hoffnungslos für Dich. In der darauf folgenden Zeit gab es dann wieder neue Hoffnung.

 Es schien, als ob ein Regenbogen Dir neuen Mut geben würde.

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Was Du nicht wissen konntest: Dieser Besuch hatte für mich eine große Bedeutung mit großen Nachwirkungen. Es war der Beginn in mein neues Leben.

Ähnlich wie Du habe ich gespürt, dass es nicht so weitergehen kann. „Ich will das ändern“ war meine Erkenntnis. Aber wo ist der Ausweg aus diesen Abhängigkeiten, in der wir uns beide befanden? Auf der Heimfahrt war mein Entschluss gefasst. Ich komme nie mehr an diesen Ort zurück – und: ich werde mich aus meinem familiären Umfeld  trennen. Das Buch von Rainer Wälde „Meine Reise zum Leben“ gab den allerletzten Anstoß.

Wie Dir bekannt, war ich bereits zu diesem Zeitpunkt krank. Du selbst hast mich einmal behutsam auf die schleichende Krankheit hingewiesen, die mein Leben zu ruinieren drohte. Diese Krankheit nennt sich „Alkohol“. Von einer Abhängigkeit begab ich mich in eine andere. – der Sucht. Heute weiß ich nach einer erfolgreichen Therapie, dass Alkohol als Lebensbewältigung und als Betäubungsmittel ungeeignet ist und alles zerstören kann. Dazu ist es glücklicherweise nicht gekommen.

In wenigen Tagen jährt sich der Tag, an dem ich mich entschloss, abstinent zu werden. Es wird ein besonderer Tag werden.

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Liebe A.

Ich danke Dir, dass ich Dich ein kleines Stück Deines Lebens habe begleiten dürfen. Durch Dein Leben hast Du mir neue Wege aufgezeigt, auch wenn es Dir nicht bewusst war.

Erst durch Dich habe ich den Weg in die Freiheit gefunden. Das ist das größte Geschenk, was Du mir machen konntest.

Du wirst jetzt sicher alle meine Aktivitäten, mein Leben, jetzt von oben begleiten. Und es ist sicher in Deinem Sinne, dass ich anderen Menschen durch mein Dasein, durch meine Lebenserfahrung, Wege in die Freiheit zeige. Wege heraus aus Abhängigkeiten, sei es durch Menschen, materielle Dinge oder durch Erkrankungen, wie z. B. Alkoholismus.

Ich wünsche allen, die diese Zeilen lesen, insbesondere den Angehörigen, die Du hinterlässt, dass Dein Leben auch ein Leben zur Hoffnung war und ist. Dafür werde ich alles tun, um anderen Hoffnung und Mut zu geben.

Gerd

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Wenn die Sonne erwacht in den Bergen – Sonnenaufgang über dem Taunus

Auf dem Atzelberg-Turm in Kelkheim-Eppenhain – in der Mitte der Feldberg, rechts der Altkönig. – an einem Donnerstagmorgen gegen 06:30 Uhr

 

Ein neuer Tag beginnt – und das Leben!

Mit einem Zitat möchte ich meinen Nachruf schließen

 „Denn ohne Freiheit welkt die Blume der Poesie, wo immer sie auch blühen mag.“ Astrid Lindgren in „Das entschwundene Land“ (eine wunderschöne Autobiographie!).

 

Gerd Taron

Die ersten drei Fotos wurden mir freundlicherweise von Marina Rupprecht zur Verfügung gestellt.

 Weitergabe von Text und Foto nur mit Genehmigung gestattet

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